UB Basel
Archiv Aktuell-Meldungen - 11.03.1998
Der Briefwechsel Franz Overbeck - Heinrich Köselitz [Peter Gast]

Der Briefwechsel Franz Overbeck - Heinrich Köselitz [Peter Gast]

Der Briefwechsel zwischen den beiden engsten Freunden Friedrich Nietzsches, Franz Overbeck und Heinrich Köselitz (1854-1918), ist von unschätzbarer Bedeutung für die Nietzsche-Forschung. Franz Overbeck (1837-1905) war Professor der Theologie in Basel und Wohngenosse Nietzsches in dessen Basler Zeit. Heinrich Köselitz (1854-1918) wurde als Student Nietzsches bald zu dessen Vertrauten und nahm über lange Jahre fast eine "Eckermann-Rolle" gegenüber seinem Lehrer ein. Köselitz ist besser bekannt unter seinem Künstlernamen Peter Gast, mit dem er seine Kompositionen unterzeichnete.

Neben Nietzsches eigener Korrespondenz ist der fast 30 Jahre dauernde Briefwechsel zwischen Overbeck und Köselitz die vielleicht wichtigste Quelle zu Nietzsches Biographie, Philosophie und Werkgeschichte. Für die Zeit nach 1889-1905 stellen die Briefe ein einzigartiges Zeugnis dar über Nietzsches Zusammenbruch und Siechtum, über die Rolle der Elisabeth Förster-Nietzsche, die Begründung des Nietzsche-Archivs, über die frühe Nietzsche-Edition und Rezeption und über das Entstehen einer Nietzsche-Mythologie.

Mit der vollständigen Publikation dieses Briefwechsels mit ausführlichem Kommentar wird ein dringendes Desiderat der Forschung eingelöst.


Overbecks "Kirchenlexicon"

Der Theologe Franz Overbeck hat in einer Art Privatenzyklopädie eine etwa 20'000 Zettel umfassende Kartei angelegt, die sowohl sein persönliches "Kirchenlexicon" und Arbeitsinstrument, als auch sein Reflexionsmedium für innere Monologe war. Von Vermutungen über frühchristliche Askese über Auseinandersetzungen mit theologischen Zeitgenossen bis hin zu persönlichen Erwägungen über den Sinn seines eigenen Daseins reicht die Spannweite der Zettel. Innerhalb der Overbeck-Ausgabe ist erstmals eine sinnvolle Auswahl mit Kommentar und Materialien erschienen. Durch diese Overbeck-Edition tritt der Theologe, der über seinen historischen Studien den religiösen Glauben verloren hatte, zunehmend aus dem Schatten Nietzsches hervor und wird in seinem eigenen, markanten persönlichen und wissenschaftlichen Profil erkennbar.


Beide Editionen basieren in ihren Quellen auf Beständen der Basler Universitätsbibliothek.

11.03.1998 / cb



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