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Archiv Aktuell-Meldungen - 14.08.1998
"Die Schweiz und die Fremden": Presseinformation

"Die Schweiz und die Fremden": Presseinformation

Ausländer sind fremd. Die Unbekannten, Zugezogenen, Andersartigen, Andersgläubigen - also die Protestanten, Katholiken, Orthodoxen, Islamiten, Juden - sind ebenfalls fremd. Aber auch die Andersdenkenden, wie Anarchisten, Kommunisten, Faschisten, Nationalisten, sowie die Anderslebenden, die Jenischen, Sinti und Roma, oder die Andersliebenden, wie homosexuelle Frauen und Männer, werden als befremdend empfunden. Ähnlich wie die Ausgestossenen: die Obdachlosen, Drogensüchtigen, Alkoholiker. Manchmal zählen sogar die Arbeitslosen zu ihnen. Weil die Grenzen nicht nur auf der ethnischen und kulturellen Ebene gezogen werden. Sie verlaufen quer durch alle sozialen Schichten. So können Subkulturen als fremd im eigenen Land gelten. Jeder von uns kann sich selbst entfremden. Manche fühlen sich gar überfremdet.

Die Schweiz mit ihren vielfältigen Kulturen, unterschiedlichen Landessprachen und ihrer Mehrkonfessionalität ist weder toleranter noch gerechter als andere Nationen. Gerade in diesem Jahr der Jubiläen werden die Schweizer mit der verdrängten Kehrseite der eigenen Geschichte konfrontiert. Die Fremden stellen den Mythos vom schweizerischen Zauberland in Frage, die Einheimischen tun sich mit der Verarbeitung der ungewohnten Lage schwer.

Die von Helena Kanyar in Zusammenarbeit mit Patrick Kury konzipierte Ausstellung „Die Schweiz und die Fremden“ illustriert das Verhältnis von Schweizerinnen, Schweizern und den Fremden - seit der Entstehung der Helvetischen Republik 1798 bis zur Gegenwart. Sie möchte zur Diskussion über die Vergangenheitsbewältigung beitragen. Anhand von konkreten, oft lokalbezogenen Beispielen, positiven und negativen, ohne in Schwarzweissmalerei zu verfallen. In ihrem Engagement gegen Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Alltagsrassismus will die Ausstellung einen Beitrag zur Verbesserung multikultureller Beziehungen leisten.

Die in die Ausstellung integrierte Fotoinstallation „Das Sauberland Schweiz“ von Dominik Labhardt und Andri Pol setzt sich mit der gleichen Problematik auseinander. Zudem werden in der Ausstellung Dokumentarfilme von Samuel Plattner und Hüseyin Akin gezeigt. Ein 164 Seiten starker Katalog vereinigt 22 Aufsätze führender Autoren zur Fremdenproblematik. Er wird anlässlich der Vernissage am 4. September (18 Uhr) vorliegen.

Die Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel dauert vom 5. September bis 19. Dezember 1998.

14.08.1998 / cb



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