UB Basel
Archiv Aktuell-Meldungen - 17.06.1999
Knappe Mittel - Neues Angebot: Die Medizinbibliothek beschreitet innovative Wege

Knappe Mittel - Neues Angebot: Die Medizinbibliothek beschreitet innovative Wege

Dass Bibliotheken im allgemeinen und die grossen Universitätsbibliotheken im speziellen zunehmend Schwierigkeiten mit ihren Erwerbungsbudgets haben, ist weitgehend bekannt. Seit Jahren bewegen sich die durchschnittlichen Preiserhöhungen wissenschaftlicher Verlage in einem zweistelligen Prozentbereich, also weit über der normalen Teuerung, währenddessen die Bibliotheksbudgets als Folge der knapper gewordenen staatlichen Ressourcen im besten Falle stagnieren. Die Folge ist ein markanter Kaufkraftzerfall, der sich verheerend auf die Informationsversorgung von Lehre und Forschung auswirkt.

Betroffen von dieser explosionsartigen Preisentwicklung sind vor allem jene Bibliotheken, welche die ohnehin schon als "Hochpreisfächer" bekannten Forschungsbereiche versorgen müssen. Im Falle der Universität Basel mit ihrem Schwerpunktfach Medizin wirkt sich dies besonders negativ aus. So verdreifachten sich die Preise für medizinische Zeitschriften zwischen 1984 und 1994 und stiegen seither um weitere 60%. Als Folge davon kletterte der Anteil an UB-Ausgaben für die Medizin im Jahre 1998 auf nicht weniger als 25% der Gesamtausgaben für Literatur und Informationsträger. Das heisst, dass für alle übrigen Fächer, die gleichfalls unter enormen Preiserhöhungen leiden, immer weniger Geld übrig bleibt.

Aus diesem Grund sieht sich die UB Basel dazu gezwungen, die Notbremse zu ziehen und energische, die künftige Versorgung mit medizinischer Information leider stark beeinträchtigende Massnahmen zu ergreifen. So werden die Ausgaben für medizinische Information ab sofort auf maximal 20% der UB-Gesamtausgaben begrenzt. Im Zeitschriftensektor heisst das konkret, dass weitere 150 Zeitschriftenabonnemente abbestellt werden müssen. Waren es 1983 noch 1400 Abos, welche die UB im Bereich Medizin anbieten konnte, so werden es im Jahre 2000 gerade noch deren 600 sein. Und selbst diese 600 Zeitschriften belasten das Budget der Medizinbibliothek in einem solchen Masse, dass mit der weiteren Entwicklung im Bereich von Datenbanken und neuen Informationstechnologien kaum mehr Schritt gehalten werden kann. Dass dabei auch kaum mehr Geld für Bücher bleibt, erklärt sich fast von selbst. Die Bedeutung der Medizinbibliothek als eine der bislang wichtigsten Schweizer Schwerpunktsammlungen ist somit ernsthaft gefährdet.

Dieser höchst unerfreulichen Entwicklung versucht die Medizinbibliothek seit Jahren mit aller Konsequenz und mittels ausgeklügelter Optimierungsmassnahmen entgegenzusteuern. Nun haben diese allerdings eine Grenze erreicht, die zu überschreiten eine Gefährdung selbst der wissenschaftlichen Grundversorgung bedeuten würde. Dem quantitativen Abbau des Infor-mationsangebots versucht die Medizinbibliothek deshalb mit weiteren Qualitätsverbesserungen zu begegnen, die auf eine bessere Ausnutzung der verbleibenden Ressourcen zielen.

Als ein erster Schritt in diese Richtung sind ab sofort alle Artikel aus in der Medizinbibliothek vorhandenen Zeitschriften ab Medline direkt bestellbar, für Angehörige des Kantonsspitals vorderhand gar kostenfrei. Der zeitraubende und kostenpflichtige Umweg über informationsvermittelnde Fremdinstitutionen entfällt somit. Entweder ist ein Zeitschriftenartikel von jedem PC im Uni-Netz aus im Volltext einsehbar, oder die Medizinbibliothek liefert den Artikel frei Haus in Kopie. Mit dieser neuen Dienstleistung steuert die Medizinbibliothek den verführerischen, aber teureren Angeboten im Internet entgegen. Und sie hofft gleichzeitig, dass die sich dadurch ergebende Entlastung der Benutzer sich möglichst bald in einer besseren finanziellen Alimentierung von seiten des Kantonsspitals auszahlt.

17.06.1999 / cb-wo



Archiv Aktuell-Meldungen (vor 2008)

© 1995-2008 Universitätsbibliothek Basel