UB Basel
Archiv Aktuell-Meldungen - 03.01.2000
Ausstellung: Ernst Stadler und seine Freundeskreise

Geistiges Europäertum zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts


15. Januar - 31. März 2000

Öffentliche Bibliothek der Universität Basel, Schönbeinstrasse 20


 
Geöffnet:  Montag-Freitag 08.30 -19.30 Uhr 
Samstag 08.30 -16.30 Uhr 
Geschlossen:  Fasnacht: 13. und 15. März ab 12 Uhr  
ganzer Nachmittag  

Der Eintritt ist frei  
 

Vernissage:  Öffentliche Bibliothek der Universität Basel, Schönbeinstrasse 20  
Freitag, 14. Januar 2000, um 18.15 Uhr  

Begrüssung durch Dr. Elisabeth Oeggerli (Fachreferentin für Germanistik).   
Zu Ernst Stadler und zur Ausstellung spricht Bernd M. Kraske (Leiter des Kulturzentrums Schloss Reinbek).  
Eva Hilbck liest Texte von Ernst Stadler.   

Anschliessend wird ein Apéro serviert. 

Wir danken Nina Schneider (Hamburg), welche die Ausstellung konzipiert und uns diese in grosszügiger Weise überlassen hat. Ebenso Bernd M. Kraske (Reinbek b. Hamburg) für die Installation der Ausstellung.


Ernst Stadler gehört, neben Georg Heym und Georg Trakl, zu den bedeutendsten Lyrikern des Expressionismus. Zugleich war er ein hervorragender Übersetzer, Essayist und Literaturkritiker. Seine Übersetzungen fanden oft mehr Anerkennung als das Original, die Rezensionen und Essays bilden einen wichtigen Teil des Gesamtwerks, der sich durch die meisterhafte Präzision der Sprache, durch kritischen Scharfblick und Treffsicherheit des Urteils auszeichnet. Als lebensfroher und kontaktfreudiger Mensch verfügte er über ein weitgespanntes Beziehungsnetz. Zu seinem Freundeskreis gehörten neben vielen anderen René Schickele, Otto Flake und Carl und Thea Sternheim.

Geboren wurde Ernst Stadler 1883 in Colmar. 1886 zog die Familie nach Strassburg. Dort besuchte Stadler die Schulen und studierte anschliessend Germanistik, Romanistik und Vergleichende Sprachwissenschaft. Er promovierte 1906 mit einer Dissertation über Wolfram von Eschenbach. Nach einem zweijährigen Aufenthalt als Cecil-Rhodes-Stipendiat in Oxford habilitierte er sich 1908 in Strassburg über Wielands Shakespeare-Übersetzung. Als Privatdozent lehrte er in Strassburg bis zu seiner Berufung auf den neuen Lehrstuhl für Germanistik an der Université libre in Brüssel 1910. Im März 1914 erhielt er eine Berufung an die University of Toronto.

Schon während der Gymnasialzeit verfasste Ernst Stadler Gedichte, Erzählungen und kleinere dramatische Texte. 1902 schloss er sich dem "Jüngsten Elsass" an, einer Gruppe literarisch ambitionierter Altersgenossen, zu der u.a. René Schickele, Otto Flake und Hans Arp gehörten. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, im Elsass eine "künstlerische Renaissance" herbeizuführen. Stadler war einer der wichtigsten Mitarbeiter der von Schickele herausgegebenen Zeitschrift "Der Stürmer". In diesem kurzlebigen Elsässer Organ der literarischen Moderne formulierte Schickele den für Stadler prägenden Begriff des "geistigen Elsässertums", verstanden als transnationale europäische Haltung, als "fester Kulturbesitz, an den romanische sowohl wie germanische Tradition wertvollste Bestandteile abgegeben haben". Die erste Gedichtsammlung Stadlers, die 1904 erschienenen "Praeludien", standen noch stark unter dem Einfluss von George, Hofmannsthal und Régnier.

In den folgenden Jahren konzentrierte sich Stadler auf seine literaturwissenschaftliche Tätigkeit. Erst 1910 nahm er seine künstlerische Arbeit wieder auf. Er publizierte Gedichte, Rezensionen, Essays und Übersetzungen aus dem Französischen, zunächst in elsässischen Blättern, dann auch in den führenden avantgardistischen Zeitschriften Berlins und Leipzigs. Der zweite Gedichtband, "Der Aufbruch", erschien zur Jahreswende 1913/14. Als Zentrum und begeistert rezipierter Höhepunkt von Stadler literarischem Werk steht er am Übergang vom Ästhetizismus zum Expressionismus.

Ende Juli 1914 wird Ernst Stadler als Reserveleutnant einberufen. Am 30. Oktober wird er südöstlich von Ypern von einer Granate zerfetzt.

Die Wanderausstellung "Ernst Stadler und seine Freundeskreise" wurde bereits in Hamburg, Frankfurt am Main, Brüssel, Oxford und Strassburg gezeigt. Konzipiert und erarbeitet hat sie Nina Schneider, die Mitherausgeberin der kritischen Stadler-Ausgabe. Leben, dichterische Entwicklung und Rezeption des Schriftstellers werden mit zahlreichen, zum grössten Teil vorher unbekannten Abbildungen und Texten dokumentiert. Die Fülle des Materials macht Ausstellung und Begleitband zu einem Spiegel der Literatur- und Zeitgeschichte vor dem ersten Weltkrieg.

Zur Ausstellung ist ein Begleitbuch erhältlich, das anlässlich der Vernissage und während der gesamten Ausstellungsdauer an der Lesesaaltheke der UB für Fr. 15.-- bezogen werden kann:
Ernst Stadler und seine Freundeskreise. Geistiges Europäertum zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts. Mit Bild- und Textdokumenten dargestellt von Nina Schneider. Hamburg, Kellner 1993. (320 Seiten, 158 Abbildungen und Faksimiles, broschiert)


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