UB Basel
Archiv Aktuell-Meldungen - 22.01.2001
Ausstellung: Georg Heym (1887-1912) - Der Dichter und seine Zeit

Ausstellung: Georg Heym (1887-1912) - Der Dichter und seine Zeit

3. Februar - 6. April 2001

Öffentliche Bibliothek der Universität Basel, Schönbeinstrasse 20


 
Geöffnet:  Montag-Freitag 08.30 -19.30 Uhr 
Samstag 08.30 -16.30 Uhr 
Geschlossen:  Fasnacht: 5. und 7. März ab 12 Uhr  

Der Eintritt ist frei  
 

Vernissage:  Öffentliche Bibliothek der Universität Basel, Schönbeinstrasse 20  
Freitag, 2. Februar 2001, um 18.15 Uhr  

Begrüssung durch Hannes Hug (Direktor der UB Basel).   
Zu "Georg Heym - Ein frühexpressionistoischer Dichter in der Wilhelminischen Ära" spricht Bernd M. Kraske (Leiter des Kulturzentrums Schloss Reinbek).  
Eva Hilbck liest Texte von Georg Heym.   

Anschliessend wird ein Apéro serviert. 

Wir danken Nina Schneider (Hamburg), welche die Ausstellung konzipiert und erarbeitet hat. Ebenso Bernd M. Kraske (Reinbek b. Hamburg) für die Installation der Ausstellung.


"Wie ein Komet war Georg Heym, der Berliner Frühexpressionist, am Himmel der modernen Dichtung aufgestiegen und versunken", so charakterisiert der Germanist Paul Raabe das kurze Schriftstellerleben. Bekannt geworden ist Heym vor allem als Lyriker; zusammen mit Ernst Stadler und Georg Trakl zählt er zum "lyrischen Dreigestirn" des Expressionismus. Seine Prosa steht zu Unrecht ganz im Schatten der Lyrik, das gilt auch für das umfangreiche dramatische Werk vor allem aus der Frühzeit.

Die Gedichte sind geprägt von Kraft und Vitalität, von brennender Intensität, Kontrastreichtum und ausdrucksstarker Farbigkeit. Heym schrieb sich selber einen "geradezu wahnsinnigen Sinn" für Farben zu und fühlte sich van Gogh wahlverwandt. Die Vorstellung eines Lebens "am Ende des Welttages" führt zu Bildern des Brandes, des Sturmes, der Zerstörung und des Untergangs. Heym galt lange als "Seher des Grauens" (Kurt Pinthus). Diese visionäre Sehweise verbindet sich jedoch mit unerbittlicher Genauigkeit der Beschreibung, einem klaren Blick für gesellschaftliche Strukturen und Mechanismen, für Entfremdung, Isolation und Erstarrung in der modernen Grossstadt und in ihren Randfiguren. In den Liebesgedichten an Hildegard Krohn aus dem Jahr 1911 finden sich freiere Formen und melodische Verse, in den letzten Werken auch Skurriles mit Wendungen ins Komisch-Satirische. Am bekanntesten sind wohl die beiden Gedichte "Der Krieg" und "Der Gott der Stadt", die zum Expressionismus-Kanon der Schullektüre gehören.

Geboren wurde Georg Heym 1887 in Hirschberg im Riesengebirge. Sein Vater war Staatsanwalt. Die Familie siedelte 1900 nach Berlin über. Dort legte Georg Heym 1907 die Reifeprüfung ab und begann auf Wunsch des Vaters mit dem Jura-Studium in Würzburg. 1908 kehrte er nach Berlin zurück, bestand 1911 das Juristische Staatsexamen, und im Spätsommer erfolgte die Promotion zum Dr. iur. in Rostock. Im Herbst schrieb er sich am Orientalischen Seminar in Berlin ein, bewarb sich aber gleichzeitig um eine Einstellung als Fahnenjunker, denn: "Es gibt Leute, für die es überhaupt keinen Beruf gibt. Ich rechne mich dazu." Am 16. Januar 1912 ertrank er beim Schlittschuhlaufen in der Havel.

Heyms erstes Gedicht entsteht 1899, ab 1902 verfasst er neben Gedichten auch erste Prosaskizzen, ab 1904 führt er ein Tagebuch. Ein Jahr später setzt eine intensive Dramenproduktion ein. Hölderlin, Nietzsche, Mereschowski und Grabbe nennt Georg Heym "die 4 Helden meiner Jugend", später kommen Kleist und Büchner dazu. Die Aufnahme in den "Neuen Club", einen philosophisch-literarischen Kreis junger Schriftsteller, und die von diesem veranstalteten Leseabende im "Neopathetischen Cabaret" führen zu ersten Veröffentlichungen in Zeitungen (1910). Im folgenden Jahr publiziert der Rowohlt Verlag den Gedichtband "Der ewige Tag". Fünf Monate nach Heyms Tod erscheint ein Band mit Gedichten aus dem Nachlass, den Freunde herausgeben: "Umbra vitae" macht Georg Heym berühmt, vor allem in der Neuausgabe von 1924, die Ernst Ludwig Kirchner mit Holzschnitten versehen hat.

Die Heym-Rezeption beruhte während Jahrzehnten auf einer relativ kleinen Zahl von Gedichten, entsprechend einseitig und problematisch war sie teilweise. Erst die von Karl Ludwig Schneider 1960 bis 1968 herausgegebene vierbändige Ausgabe der "Dichtungen und Schriften" hat die Voraussetzung für eine angemessene Beschäftigung mit dem Werk Georg Heyms geschaffen.

Die Georg-Heym-Ausstellung der Universitätsbibliothek Basel wurde in ihrer ursprünglichen Form erstmals zu Heyms 100. Geburtstag, 1987 in Hamburg, gezeigt. Im Nachfeld sind unzählige neue Dokumente aufgetaucht, was die Ausstellungsmacherin Nina Schneider veranlasst hat, diese Ausstellung speziell für Basel mit zahlreichen bisher unbekannten Exponaten völlig neu zu konzipieren. Ebenfalls gründlich überarbeitet hat sie den Begleitband, der anlässlich der Basler Ausstellungsvernissage neu erscheinen wird:

"Am Ufer des blauen Tags". Georg Heym - Sein Leben und Werk / in Bildern und Selbstzeugnissen mit einer Auswahl seiner Gedichte dargestellt von Nina Schneider. Verlag Hans-Jürgen Böckel, Glinde 2001. (224 Seiten, 221 Abbildungen und Faksimiles, broschiert. ISBN 3-923793-25-1).

Der Begleitband kann anlässlich der Vernissage und während der gesamten Ausstellungsdauer an der Lesesaaltheke der UB zum Sonderpreis von Fr. 30.-- bezogen werden.


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