| UB Basel |
| Archiv Aktuell-Meldungen - 02.07.2001 Ausstellung: Wo ist Professor Alt? |
| Geöffnet: | Montag-Freitag 08.30-19.30 Uhr Samstag 08.30-12.30 Uhr |
| Geschlossen: | 1. August (Nationalfeiertag)
Der Eintritt ist frei |
| Vernissage: | Freitag, 13. Juli 2001, um 19.00 Uhr
Begrüssung: Christoph Ballmer (Universitätsbibliothek Basel) Anschliessend Apéro |
Vom 5. bis 10. August findet in Basel der 17. Kongress der "Internationational Organization for the Study of the Old Testament" (IOSOT) statt, der nur alle drei Jahre durchgeführt wird und zu dem das letzte Mal vor mehr als einem halben Jahrhundert in die Schweiz, präziser nach Genf, eingeladen wurde. Dieser Kongress gab den Anstoss dazu, in der Universitätsbibliothek eine kleine Ausstellung über alttestamentliche Forschung in Basel zu gestalten. Denn Material dazu ist in Basel mehr als genug vorhanden, war doch die Stadt am Rheinknie der erste Ort nördlich der Alpen, wo Hebräisch gedruckt wurde.
Besondere Verdienste um das Studium der hebräischen Sprache erwarb sich im 16. und 17. Jahrhundert die Basler Gelehrtenfamilie Buxtorf. Ihr Begründer, Johannes Buxtorf der Ältere, war damals auch einer der besten (reformierten) Kenner rabbinischer Texte, über die er in einem regen wissenschaftlichen Austausch mit jüdischen Gelehrten stand.
Im neunzehnten Jahrhundert wirkte in Basel ein weiterer hervorragender Vertreter des Faches, der sich allerdings in allen theologischen Disziplinen forschend, lehrend und publizistisch betätigte, ja als eigentlicher Universaltheologe bezeichnet werden darf: Wilhelm Martin Leberecht de Wette. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er freilich in anderer Funktion bekannt: Als die Existenz der Universität Basel während der Wirren um die Kantonstrennung ernsthaft gefährdet war, gelang es ihm mit einigen anderen zusammen, sie mit beherztem Handeln und Auftreten vor dem Niedergang zu retten. Auf de Wette geht unter anderem auch der Nachweis zurück, dass das 5. Buch Mose nicht von diesem verfaßt worden ist.
Zu den weltweit bedeutendsten Alttestamentlern des 19. und 20. Jahrhunderts gehört Bernhard Duhm, der die alttestamentlichen Propheten in einem neuen Licht, als schöpferische religiöse Persönlichkeiten und Vertreter eines ethischen Monotheismus verstehen ließ. Diesen drei überragenden Namen sind die weiterer hervorragender Gelehrter hinzuzufügen, die in Basel wirkten: R. Smend sen., W. Baumgartner, W. Eichrodt und W. Vischer, um nur die wichtigsten zu nennen.
Im Zentrum der Ausstellung stehen neben der Arbeit dieser und weiterer Gelehrter ihr Arbeitsstil, ihre Persönlichkeit und ihre soziale und politische Einbettung. Sie bringt jedoch auch Überraschendes ans Licht: So betätigte sich De Wette auch als Romanautor und zeichnete in seinen Werken ein interessantes Porträt der damaligen Basler Gesellschaft. Duhm erfand mit Lambrecht zusammen ein physikalisches Messgerät, das heute noch vis-à-vis des Nietzsche-Hauses in Sils-Maria bewundert werden kann. Baumgartners Ausführungen zu Napoleon I. und der Schlacht von Sempach aus der Schulzeit sowie seine Zinnsoldatensammlung passen gut zu den Gegenständen seiner Forschung und seinem wissenschaftlichen Stil. Eichrodts nicht publiziertes (und nicht zur Veröffentlichung bestimmtes) Tagebuch über einen Palästinaaufenthalt (1924) ist ein wertvolles zeitgeschichtliches Dokument über die Zustände im Heiligen Land der zwanziger Jahre. Briefe von Martin Buber und Karl Jaspers lassen schmunzeln. Und anhand der Entstehung eines Buches über hebräische Präpositionen wird gezeigt, wie der Computer Eingang in die wissenschaftliche Erforschung des Alten Testamentes fand.