UB Basel
Archiv Aktuell-Meldungen - 02.11.2005
Ausstellung: Alphabet Buchobjekt & Co.

Ausstellung: Alphabet Buchobjekt & Co.

19. November 2005 - 11. Februar 2006

Geöffnet:  Montag - Freitag 08.30-19.30 Uhr 
Samstag 08.30-16.30 Uhr
Geschlossen:  25. und 26. November, 24., 26. und 31. Dezember 2005 

Der Eintritt ist frei  

Vernissage: Freitag, 18. November 2005, 18.15 Uhr 

Führungen: Mittwoch 11. Januar, 15.00 Uhr / Mittwoch 18. Januar, 17.30 Uhr / Donnerstag 26. Januar, 17.30 Uhr

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Lesen oder nicht lesen, das ist die Frage...
Zwei Sammlungen treffen aufeinander

Ohne Kunst kann ich mir mein Leben nicht vorstellen. Bücher mag ich auch, bin aber mit einer gewissen ”Lesefaulheit” gestraft... Diese Tatsachen, verbunden mit meiner Sammelleidenschaft, führten zu zwei miteinander verwandten Sammlungen, die zwar mit Büchern zu tun haben, aber die Leselust nicht stillen...

Buchstaben können alles: sich zum Text mischen, auf einem Blatt Papier herumtanzen, die Leser belehren, glücklich oder traurig machen; aber wenn es heisst ”Antreten! Appell!”, dann reihen sie sich in eine Linie, stehen stramm, dann sind sie: das ALPHABET. Soldaten vor dem Einsatz. Diese Ordnung interessiert mich. Was passiert mit diesen Dienern unserer Kultur, wenn sie ruhig stehen? Ruhig? Die sind auch in diesem Stadium sehr aufregend und inspirierend. Wie ein grosses A selbstbewusst seine Beine grätscht, wie ein grosses B sich in sich klammert oder das Z sich im Zickzack bewegt... Mit dieser Vielfalt haben die Künstler - Typographen, Schriftgestalter, Grafiker, sogar Schriftsteller und Dichter - seit Jahrhunderten sich kreativ auseinandergesetzt. So entstanden ausser den Lehr- und Musterbüchern auch spielerische und ideenreiche Kinderbücher und mit künstlerischer Freiheit gestaltete Grafikbücher.

BUCHOBJEKTE sind Kunstwerke in Buchform. Eine neue Kunstgattung, die erst um 1960 herum entstanden ist. Eine kunstgeschichtliche Erscheinung infolge der veränderten Kunstwelt, als die Gemälde den Bilderrahmen verliessen, die Skulpturen vom Sockel stiegen, wurde die Objektkunst geboren. Künstler dieser neuen Kunstart bedienen sich neben den altbekannten Verfahren der Malerei, Bildhauerei, Typographie auch neuer Methoden und Materialien. Die Buchobjekte muss man nicht, wie übliche Bücher sonst, in andere Sprachen übersetzten, sie sind sowohl in Basel wie in Peking verständlich und ”lesbar”. Die Sprache der Buchobjekte ist sicht- und tastbar, wer seine Sinne mit Fantasie verbindet, kann sie - auch ohne Buchstaben - ”lesen”.

Im Titel der Ausstellung ist noch ein gemeinschaftliches ”& CO.” Der Überbegriff Künstlerbuch beinhaltet nämlich ausser meinem ”Lieblingszweig”, dem Buchobjekt, noch weitere Gattungen. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Arten sind fliessend und die Definitionen variieren. Die Liste ist lang und nicht vollständig: bibliophile Bücher, Malerbücher, entfremdete und übermalte Bücher, Materialbücher, Katalogwerke, Schachtel- und Blattobjekte, Einbandobjekte bis hin zu Multiples und Fluxus. Der Umstand, dass die Aussagen dieser Werke etwas versteckt vermittelt werden, hat vor der Wende in den Ländern des Ostblocks dazu geführt, dass die oppositionellen Künstler mit Hilfe dieser neuen Kunstform das Argusauge der Zensur umgehen konnten. So konnten kritische Künstlerbücher, solange nicht mehr als 99 Exemplare gedruckt wurden, in der DDR, in Ungarn und in der UdSSR unbehelligt erscheinen.

Julia Vermes, Basel

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JULIA VERMES wird 1940 in Budapest geboren und wächst daselbst auf. Nach einer Handelsmatur absolviert sie eine Dekorationslehre und arbeitet einige Jahre auf dem Beruf. Mit 27 Jahren kommt sie in die Schweiz und lebt seither in Basel, wo sie während 33 Jahren in einer Privatbank als Steuerberaterin tätig ist. Seit kurzem ist sie pensioniert. Ende der 80er Jahre beginnt sie aus Interesse an Kunst und aus Sammelleidenschaft - nebst Exlibris, Insel-Bücherei und Brieföffner - Künstlerbücher und Buchobjekte sowie Alphabetbücher zu erwerben. Sie steht in regem Kontakt mit Künstlerinnen und Künstlern in der Schweiz und im Ausland. Sie gehört dem Schweiz. Club der Hobbysammler (CHSS) und dem Schweiz. Exlibrisclub (SELC) an. Ihre Sammlungen wachsen stetig und sie präsentiert sie im Verlaufe der Jahre auch an verschiedenen Orten.

Ausstellungen:
1993 Exlibris und Brieföffner, Teilnahme an der Sammelbörse in Zürich
1995 Exlibris-Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel (aus den UB-Beständen)
1998 Insel-Bücherei, Exlibris und Brieföffner, Teilnahme an der Sammelbörse in Zürich
2004 “Das etwas andere Buch”, Sammlung Julia Vermes und Gudrun Wider, Mediothek der Kantonsschule Baden
2005 “Das etwas andere Alphabet”, Sammlung Julia Vermes und Gudrun Wider, Mediothek der Kantonsschule Baden

2005 "Alphabet, Buchobjekt & Co.", Universitätsbibliothek Basel

Hier präsentiert Julia Vermes eine Auswahl aus Ihrer Sammlung, die sie in den letzten 15 Jahren zusammengetragen hat. Gefunden hat sie die Stücke auf Messen, Flohmärkten und Ausstellungen, aber auch - vor allem im Falle der Alphabete - an eher ungewöhnlichen Orten wie dem Postschalter. Als Ungarin hat sie sich ganz selbstverständlich der lebendigen Buchkunstszene Osteuropas und vorab ihres Herkunftslandes zugewandt und dabei der Künstlerin Ilona Kiss einen besonderen Platz eingeräumt. Stücke aus diesem geographischen Raum stellen etwa einen Drittel der Sammlung dar. Ein weiteres Drittel stammt aus der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland, der Rest verteilt sich auf Bücher und Objekte verschiedener Herkunft. Selbst Korea findet sich darunter. In der Sammlung von Julia Vermes hat ein einfaches Kochbuch aus dem Buchhandel durchaus Platz neben einem kostbaren Buchobjekt, wenn es sich durch besondere Gestaltung auszeichnet. Die Faszination für das Spiel innerhalb einer vorgegebenen Form, eines vorgegebenen Raums und/oder mit vorgegebenen Elementen prägt die Sammlung und findet Niederschlag in der grossen Zahl der Buchobjekte und Alphabetbücher. So ist eine Sammlung mit ganz eigenem Charakter entstanden. (mb)

02.11.2005 / cb



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