UB Basel
Archiv Aktuell-Meldungen - 01.02.2006
Ausstellung: Markgräfler Dichter und Denker aus dem Mittelalter und der Reformationszeit

Ausstellung: Markgräfler Dichter und Denker aus dem Mittelalter und der Reformationszeit

Eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel
25. Februar - 6. Mai 2006
Schönbeinstrasse 20

Geöffnet
Montag-Freitag 08.30-19.30 Uhr
Samstag 08.30-16.30 Uhr

Geschlossen
6. und 8. März ab 12 Uhr (Fasnacht)
13. April (ab 12 Uhr) bis 17 April (Ostern)

Vernissage
Freitag 24. Februar 2006 18.15 Uhr

Begrüssung: Hannes Hug
Zur Ausstellung: Dr. Verena Alborino und Siegfried Bühler
Frank Dietsche trägt Alemannische Gedichte und Lieder vor
Anschliessend Apéro

Der Eintritt ist frei

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Seit ungefähr 30 Jahren suche und finde ich in der Basler Universitätsbibliothek Handschriften mit Bezug zum Markgräflerland: unsere alte, erhaltene Geschichte, wie man sie sonst in unserer Gegend nicht mehr finden kann. Und es ist ganz erstaunlich wie viel die Basler von unserer Geschichte gesammelt haben. Wenn ich in Lörrach nach dem ältesten Dichter frage, dann weiss kaum jemand einen älteren als Johann Peter Hebel zu nennen. Von Hans von Bühl, dem Röttler Dichter um 1415, hat noch niemand gehört. Hans von Bühl hat zwei erhaltene Gedichtbände hinterlassen und war ganz sicher am Zustandekommen der Röttler Chronik von ca. 1410 beteiligt. Er war mit Markgraf Rudolf dem Dritten zusammen am Konstanzer Konzil und hat sich auch eine Zeitlang in Poppelsdorf bei Bonn am Hofe von Friedrich von Sarwerden aufgehalten.

Johannes von Efringen lebte von 1300 bis 1375 als Basler Dominikanermönch. Seine Vorfahren stammen sicher aus dem heutigen Efringen-Kirchen. Er hatte eine für damalige Verhältnisse umfangreiche Büchersammlung von ca. 15 handgeschriebenen Werken, in die er seinen Namen als Besitzer schrieb. Dies ist sicher die älteste erhaltene Bibliothek, die man in Zusammenhang mit dem Markgräflerland bringen kann.

Oder wer kennt die Geschichte von Giovanni Bernhardino Bonifacio, dem italiensichen Humanisten und Herzog aus Oria, der um 1570 als Junggeselle mit drei schwarzen Sklavinnen nach Basel kam, wo diese Konstellation nicht erwünscht war? Bonifacio, der nach Blansingen und ins Lörracher Pfarrhaus zog, der immer seine grosse humanistische Bibliothek bei sich hatte, die heute den Grundstock der Danziger Stadtbibliothek bildet.

Oder die Geschichte von Luitold von Rötteln, dem „Letzten von Rötteln“, der den Basler Minnesänger Konrad von Würzburg gesponsert und ihm finanziell geholfen hat, seinen ersten Gedichtband fertigzustellen – dies ist eine echte Geschichte von Rötteln, anders wie die wohl schönen aber geschichtlich nicht haltbaren Sagen vom „Rittersprung“, von jenem, der da 50 Meter mit Ross und Rüstung hinuntergesprungen und anschliessend noch wohl erhalten nach Basel gelaufen sei.

Die Belagerung von Rötteln durch Rudolf von Habsburg, den nachmaligen deutschen Kaiser, ist genauso eine schöne Erfindung, auch wenn sie immer wieder aufgewärmt wird. Hätte Rudolf von Habsburg Rötteln belagert und erobert, so wäre das ganz sicher irgendwo in einer Chronik aufgeschrieben worden. Jeden Stein, den er umgedreht hat, kann man nachlesen, aber in Rötteln war er meines Wissens nie.

Im Markgräflerland wurde 1556 die Reformation durchgeführt. Dazu bediente sich der Markgraf von Baden des Basler Münsterpfarrers Simon Sulzer. Sein Schwager Ulrich Koch hielt im Januar 1556 die erste evangelische Predigt in Lörrach. Überall, wo sich die katholischen Pfarrer wehrten, setzte Sulzer neue, protestantische, meist Basler Pfarrer ein. Die bekanntesten waren die Grynaeus. Vater Thomas war von 1556 bis 1564 Dekan in Rötteln, Danach sein Sohn Johann Jakob, ebenfalls als Dekan. Theophil, dessen Bruder, der bei Melanchton in Wittenberg studierte, war Lörracher Pfarrer.

Einige Markgräfler Pfarrer aus dieser Zeit haben teils umfangreiche Gedichtbände hinterlassen. Pfarrer Paul Cherler aus Binzen hat es auf mindestens 20 grössere und kleinere Werke gebracht. Und Matthias Reisner aus Binzen hat uns ein wunderschönes, handgeschriebenes Tagebuch in Versform hinterlassen.

Kurz vor 1600 kam Christoph Leibfried aus Tübingen als Landschreiber nach Rötteln. Ausser seiner juristischen Bibliothek hat er auch einige musikalische Werke hinterlassen. Auf einem wohl selbst gemalten Bild sieht man ihn an seiner Orgel sitzen. Rings um ihn ist seine Bibliothek aufgestellt. Seine ganzen Bücher sind geschlossen an die Universitätsbibliothek gekommen.

Siegfried Bühler (D - Efringen-Kirchen)

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Für Führungen wenden Sie sich bitte direkt an den Ausstellungsmacher:
Siegfried.Buehler@t-online.de
Tel. ++49 7628 940434

01.02.2006 / cb



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