UB Basel
Archiv Aktuell-Meldungen - 04.05.2006
Ausstellung: Joseph Kopf (1929-1979) - "eines bettlers sternenaussatz"

Ausstellung: Joseph Kopf (1929-1979) - "eines bettlers sternenaussatz"

Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel
20. Mai - 5. August 2006
Schönbeinstrasse 20

Geöffnet
Montag-Freitag 08.30-19.30 Uhr
Samstag Mai/Juni 08.30-16.30 Uhr
Samstag Juli/August 08.30-12.30 Uhr

Geschlossen
24.-28. Mai (Auffahrt)
3.-5. Juni (Pfingsten)
1. August (Nationalfeiertag)

Vernissage
Freitag 19. Mai 2006 18.15 Uhr

Begrüssung: Hannes Hug (Direktor UB Basel)
Einführung: Dr. Cornel Dora (Ausstellungsmacher, Kantonsbibliothekar St. Gallen)
Gedicht und Grafik bei Joseph Kopf: Prof. Paul Good (Düsseldorf)

Anschliessend Apéro

Der Eintritt ist frei

***********************************************************************************************************************************************************************************************

Die Ausstellung erinnert an den 1979 verstorbenen Sankt-Galler Lyriker Joseph Kopf, der 1973 mit dem Hebelpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. Sie gibt Einblick in das Schaffen eines eigenwilligen und sensiblen Dichters, dessen Nachlass sich seit 2001 in der Kantonsbibliothek St.Gallen befindet. Die Präsentation zeigt zahlreiche schöne Manuskripte und Briefe, aber auch Kunstwerke aus seinem Umfeld. Sowohl Maler als auch Musiker wurden durch Kopf vielfach angeregt.

Joseph Kopf hat viele seiner Gedichte verschenkt und so selber in alle Winde zerstreut. Nach seinem Tod 1979 scheiterten Bestrebungen, ein Joseph-Kopf-Archiv zu schaffen und auf diese Weise sein Werk zu sichern. Die Materialien blieben schwer zugänglich. 1987 erhielt die Kantonsbibliothek St.Gallen von Adrian Wolfgang Martin eine grössere Sammlung von Texten aus der früheren Schaffensphase. 1991 kamen wertvolle Materialien aus dem Besitz von Martita Jöhr hinzu, die über 20 Jahre lang seine wichtigste Mäzenin war. Mit dem persönlichen Nachlass von Kopf und den durch seine Schwester gesammelten Dokumenten folgte im Herbst 2001 der eigentliche Kernbestand, dem sich seither weitere grössere Sammlungen anschlossen.

Seine ganz eigene Sprache
Geboren in St.Gallen 1929, verbrachte Kopf dort auch die meiste Zeit seines Lebens. Allerdings verband ihn vieles mit Österreich und mit Israel, wo er mehrere Jahre lebte. Sein Weg als Lyriker führte ihn von Anfängen, die sich an Rilke, Hesse und Trakl orientierten, hin zu einer in der Nähe Paul Celans stehenden, höchst kondensierten und ästhetisch filigranen Sprache. Nur wenige Dichter sind den Weg zur sprachlichen Reduktion so konsequent gegangen wie er. So hat er letztlich auch seine ganz eigene Sprache gefunden, die dem einzelnen Wort eine ganz besondere Kraft gibt.

Joseph Kopfs Werk, das 1973 mit dem Hebelpreis ausgezeichnet wurde, ist von hohem künstlerischem Ernst und verdient grössere Beachtung. Die Ausstellung möchte es in Erinnerung rufen. Sie wurde bisher in St.Gallen, Bregenz und Wien gezeigt und kommt nun nach Basel, wo sie in der Universitätsbibliothek am 19. Mai um 18.15 Uhr mit einem Vortrag von Professor Paul Good, Düsseldorf, dem besten Kenner des Schaffens Kopfs, eröffnet wird und anschliessend bis zum 5. August zu sehen sein wird. Das Projekt wird finanziell ermöglicht durch Kanton und Stadt St.Gallen, die Gesellschaft Pro Vadiana und die Universitätsbibliothek Basel.

Begleitend zur Ausstellung ist eine reich illustrierte Schrift mit einer Reihe bisher unpublizierter Texte aus dem Nachlass erschienen. Sie kann während der Ausstellung an der Lesesaaltheke der UB oder direkt bei der Kantonsbibliothek St.Gallen für CHF 20.- zuzüglich Versandspesen bestellt werden.

Weitere Auskünfte erteilt der Ausstellungsmacher:

Dr. Cornel Dora
Kantonsbibliothek St. Gallen
Tel. 071 229 23 21
Fax 071 229 23 45
cornel.dora@sg.ch

************************************************************************************************************************************************************************************************

Proben aus dem dichterischen Werk Joseph Kopfs

Ich liebe Schritte, die ins Leere gehen.
Ich liebe Dinge, die im Traum geschehn.
Die Rosen lieb ich, die im Garten stehn:
zu blass, um sie noch einmal so zu sehn.

Ich liebe alles, was im Blühn verdirbt.
Die Kerze lieb ich, die erlischt im Raum.
Das müde Lächeln im Holunderbaum.
Ich lieb das Herz, das ohne Hoffnung stirbt.

(1955)

älter geworden
am blühen der erde
komm ich zu dir

an einem tag im herbst
hoch wandern die gestirne
traumlos

in einer nacht
steinern brennt mir
die flöte am mund

ich habe die sprache vergessen
die worte verloren
die rede verlernt

älter geworden
am blühen der erde
liebe ich dich

(1962)

Nachts
ertrinken deine träume
in metallenem tang

eine muschel
verletzt ihre schläfe

vom schwertfisch
werden sie gefeilt

durchschossen
von blauem sternlicht
treiben sie den klippen zu

nachts
hält deine leblosen träume
die nymphe im arm und weint

(1963)

eines
bettlers sternenaussatz

das
blaue licht seiner füsse

der
maulbeerbaum seiner stirn

weisse tiere rings um beer-sheva

(1963)

hier halten wir an
sage ich dem kutscher

hier errichte ich ein zelt
und baue eine feuerstelle

aber weithin
weder wagen noch kutscher noch pferd

(1976)

04.05.2006 / cb



Archiv Aktuell-Meldungen (vor 2008)

© 1995-2008 Universitätsbibliothek Basel