UB Basel
Archiv Aktuell-Meldungen - 27.11.2007
Ausstellung: "Nicht die Welt, die ich gemeint" - Elisabeth Gerter, Leben und Werk

Ausstellung: "Nicht die Welt, die ich gemeint" - Elisabeth Gerter, Leben und Werk

Universitätsbibliothek Basel
8. Dezember 2007 bis 23. Februar 2008

Geöffnet
Montag–Samstag 8.30–21.30 Uhr

Geschlossen
24. - 26. Dezember
31. Dezember / 1. Januar
9.-13. Februar (Fasnacht)

Der Eintritt ist frei

Vernissage
Freitag 7. Dezember 2007, 18.15 Uhr

Elisabeth Oeggerli, Fachreferentin Germanistik: Begrüssung
Charles Linsmayer, Literaturwissenschaftler: Rede
Pia Waibel, Schauspielerin: Lesung
anschliessend Apéro und Besichtigung

Das Buch zur Ausstellung
Nicht die Welt, die ich gemeint - Elisabeth Gerter, Leben und Werk.
Herausgegeben von Sandra Meier, Marina Widmer, Margrit Bötschi, Monika Geisser, Alexa Lindner, Wolfgang Steiger, efef Verlag, Bern 2006.
ISBN 978-3-905561-70-8. CHF 32.00/€ 21.00.

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Rahmenprogramm

Führungen durch die Ausstellung
Samstag 15. Dezember, 14.00 Uhr
Mittwoch 16. Januar, 19.30 Uhr
Samstag 19. Januar, 11.00 Uhr
Samstag 2. Februar, 14.00 Uhr

Auf den Spuren Elisabeth Gerters durch Basel
Stadtrundgang mit Andrea Bollinger, Sabine Braunschweig, Angelika Goeres

Samstag 8. Dezember
Samstag 19. Januar
Samstag 9. Februar
Samstag 23. Februar
jeweils 14–15.30 Uhr.
Treffpunkt St.Johannstor, Basel.

Elisabeth-Gerter-Tag am Samstag 19. Januar
11.00 Uhr: Führung durch die Ausstellung
14.00 Uhr: Stadtrundgang. Treffpunkt St.Johannstor, Basel
17-19 Uhr: Öffentliche Preisverleihung des Elisabeth-Gerter-Schreibwettbewerbs
Anschliessend Apéro, Literaturhaus Basel, Barfüssergasse 3
Die AutorInnen tragen die vier besten Texte dem Publikum vor. Die Schriftstellerin Isolde Schaad bestimmt die Reihenfolge der GewinnerInnen.
Es laden ein: Pantograph, Literaturhaus Basel und der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB

Lesung mit Pia Waibel
in Zusammenarbeit mit Vision Frau Birsfelden
Mittwoch 23. Januar, 20.00 Uhr
Kaffi Lava, Schulstrasse 23, Birsfelden

Gesprächsabend "Pflege damals, heute und morgen"
Ausgangspunkt ist der Roman «Schwester Lisa» von Elisabeth Gerter.
Donnerstag 31. Januar, 19.30 Uhr
Quartiertreff QuBa, Bachlettenstrasse 12, Basel.
Platzzahl ist beschränkt - Anmeldung über die Webseite www.geschichte-der-pflege.ch deshalb erwünscht.

Weitere Führungen und Stadtrundgänge auf Anfrage
schreiben@pantograph.ch oder 071 222 99 64

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Eine umfassende Würdigung von Elisabeth Gerters Leben und Werk liess bis heute auf sich warten. Die Ausstellung, die von einer Monographie begleitet wird, erweist der Schriftstellerin die längst fällige Reverenz. Mit ihren Hauptwerken «Schwester Lisa» und «Die Sticker» zählt Elisabeth Gerter zu den wichtigsten AutorInnen der Schweiz. Ihr literarisches Werk fesselt heute nicht nur wegen seiner gesellschaftskritischen und provokativen Themen, sondern auch als Spiegel und Quelle der Sozialgeschichte. In einer Gossauer Sticker- und Briefträgerfamilie zur Welt gekommen, avancierte sie in den 1930er Jahren zur Schriftstellerin. In Basel beteiligte sie sich zusammen mit ihrem zweiten Ehemann, dem Kunstmaler Karl Aegerter, aktiv am politischen und kulturellen Leben. Der Zürcher Unionsverlag entdeckte die Pionierin Elisabeth Gerter, wie weitere vorerst in Vergessenheit geratene AutorInnen der «Arbeiterliteratur», in den 1970er Jahren wieder und ermöglichte ein Comeback der Schriftstellerin, deren Werke sich als Zeit übergreifend erweisen.

Elisabeth Gerter provozierte die LeserInnenschaft gleich mit ihrem ersten, 1934 erschienenen Werk «Schwester Lisa» mit tabuisierten Themen wie der ungeschminkten Darstellung der Arbeitsverhältnisse im Gesundheitswesen, einem Schwangerschaftsabbruch und einer Dreiecksbeziehung. Ihr Erstlingswerk ist eine feministische Pionierleistung, die in der Schweizer Literatur ihresgleichen sucht.
1938 legte Elisabeth Gerter ihren zweiten Roman «Die Sticker» vor, der als erster Industrieroman der Schweiz gilt. Ein ehrgeiziges Projekt, wagte sich Elisabeth Gerter an ein für eine Autorin unübliches Thema. Anhand der Stickereiindustrie in der Ostschweiz beschreibt sie den Aufschwung und Niedergang eines ganzen Industriezweiges und verdeutlicht die wirtschaftspolitischen Zusammenhänge in der Hochkonjunktur und den Krisenzeiten. Sie schildert eindrucksvoll, wie sich die ganze Bevölkerung in der relativ kurzen Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs auf die Stickerei ausrichtet und davon profitiert. Ebenso zeigt sie, wie die Sticker und Fädlerinnen mit ihren Familien in den wiederkehrenden Krisenzeiten während des wirtschaftlichen Niedergangs Ausbeutung, Arbeitslosigkeit und das Ausweichen auf andere Erwerbsarbeiten erleben. Mit den Brückenbesetzungen der Sticker im Rheintal, die auch der Auslöser für den Roman waren, und mit den Streiks greift sie Selbsthilfe-Aktionen der Arbeitnehmenden auf. Für die Ostschweiz schuf Elisabeth Gerter mit dem Stickerroman ein bleibendes Dokument, gleich den vielen Jugendstilbauten, die vom einstigen Glanz der wirtschaftlichen Metropole zeugen.

Die Ausstellung folgt einem biografischen Faden und porträtiert Elisabeth Gerter als Frau und Schriftstellerin. Neben ihren beiden Hauptwerken wird auch die Künstlerehe thematisiert, die Elisabeth Gerter mit ihrem zweiten Ehemann, dem Kunstmaler Karl Aegerter, ab 1932 in Basel führte. Elisabeth Gerter und Karl Aegerter verstanden sich selbst als Künstlerpaar und realisierten gemeinsame Projekte.
Die aus Gossau stammende Autorin, die aus einfachen Verhältnissen kam, machte sich in den 1930er Jahren mit ihren beiden ersten Werken einen Namen. In der Nachkriegszeit in Vergessenheit geraten, wurde Elisabeth Gerter in den 1970er Jahren mit anderen Autoren und Autorinnen wieder entdeckt, als sich Verleger sich auf die Suche nach «Arbeiterliteratur» der Zwischenkriegszeit machten. Sie wird seither immer wieder neu aufgelegt.

Die Ausstellung wurde erarbeitet und gestaltet von Pantograph - Verein zur Förderung von Literatur, St. Leonhard-Strasse 63, 9000 St. Gallen.

27.11.2007 / cb



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