Die aktuelle Archivalie - Panorama der Jungfraubahn

Prospekt Jungfraubahn (CH SWA Verkehr B 131), o.D. mit Bergpanorama und eingezeichneter Streckenführung

Prospekt Jungfraubahn (CH SWA Verkehr B 131), o.D., Rückseite

Das Jungfraujoch im Berner Oberland zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Schweiz. Neben der Aussichtsplattform, dem Aletschgletscher und  dem Eispalast lockt auch die Fahrt mit der Jungfraubahn.
Von der Kleinen Scheidegg gelangt man mit der elektrischen Zahnradbahn durch die Berge Eiger und Mönch bis zum Jungfraujoch, wo sich mit 3454 m ü. M. der höchste Bahnhof Europas befindet. Die Strecke ist über 9 km lang und führt grösstenteils durch einen Tunnel. Bei den Zwischenstationen Eigerwand und Eismeer hält die Bahn für jeweils fünf Minuten, damit die Besucher die Aussicht geniessen können. Eine Fahrt dauert rund 50 Minuten, dabei werden 1400 Höhenmeter zurückgelegt. Zuoberst befand sich ein Berghaus, das in den Berg hineingebaut war. Es wurde nach einem Brand in den 1970er Jahren erneuert und erweitert.

Inszenierung von Bahn und Bergen

Die Werbeprospekte der Jungfraubahn hatten seit jeher eine mehrfache Aufgabe: Es ging nicht nur darum, mit schönen Bergbildern Besucher anzulocken. Darüber hinaus versuchten die Prospekte, die Streckenführung und die Bahntechnik zu visualisieren und den Besucherinnen und Besuchern zu verdeutlichen, welche technische Meisterleistung der Bahnbau darstellte.
Das zentrale Element des abgebildeten Prospekts (undatiert, vermutlich aus den 1910er oder 1920er Jahren, PDF) ist das Bergpanorama von Anton Reckziegel (1865-1936) auf der Rückseite. Der aus Österreich stammende Landschaftsmaler arbeitete von 1898 bis 1912 in der Schweiz und prägte die Schweizer Tourismuswerbung mit. Die Kombination der detailgetreu wiedergegebenen Bergwelt und der übergross dargestellten Verkehrs- bzw. Tourismusinfrastruktur geben dem Bild seine besondere Prägung. Eingezeichnet ist auch der nie realisierte Streckenabschnitt vom Jungfraujoch auf die Jungfrau.

Vollendet und doch unvollendet

Die Jungfraubahn ist ein Pionierwerk, dessen Geschichte 1893 mit der Bewerbung um eine Konzession begann. Dem Industriellen Adolf Guyer-Zeller wurde diese Konzession durch den Bund im Jahr darauf erteilt. Der Spatenstich erfolgte im Juli 1896, und 1898 wurde der Betrieb auf dem ersten Streckenabschnitt bis zum Bahnhof Eigergletscher eröffnet. Zu diesem Ereignis hielt der Pfarrer Gottfried Strasser eine „Bergpredigt“.
Nach und nach kamen mehr Stationen hinzu, wobei der Bau von Sprengunfällen, Streiks und finanziellen Problemen nicht verschont blieb. Ausserdem starb Guyer-Zeller während des Baus, was das Projekt weiter verzögerte. 1912 wurde schliesslich mit neun Jahren Verspätung die Strecke bis zum Jungfraujoch fertiggestellt und in Betrieb genommen. Die Jungfernfahrt fand im August 1912 statt und stellt die offizielle Geburtsstunde der Jungfraubahn dar.
Ganz vollendet wurde die Jungfraubahn nie, da der letzte Streckenabschnitt vom Jungfraujoch bis zum Jungfraugipfel nicht realisiert wurde.

Katalog-Link

SWA Dokumentensammlung zur Jungfraubahn mit Broschüren und Werbematerial, Zeitungsausschnitten sowie elektronischen Zeitungsausschnitten und weiterem Material

04.08.2014 / nzi/lup