Die aktuelle Archivalie: Schweizer Verband Volksdienst (SV)

Vorschaubilder aus dem 1. Jahresbericht des Schweizer Verbandes Volksdienst für das Jahr 1920

SV – 100 Jahre im Dienste des (Fuss-)Volkes

Haben Sie sich schon gefragt, wofür der Kürzel Ihrer SV-Kantine steht? „Studenten-Versorgung“? „Santé et Vitamine“? „Schweizer Verpflegung“? Wikipedia liefert schnell eine Antwort. Aber nur ein Besuch im SWA gibt Ih­nen einen tiefen Einblick in die 100­-jährige Geschichte dieses Pioniers der Gemeinschaftsgastronomie.

Anfänge im Ersten Weltkrieg

Das Jahr 1914 sieht nicht nur den An­fang eines militärischen Konfliktes ungeahnten Ausmasses. Es ist auch das Gründungsjahr einer Vereinigung, damals unter der Leitung der Zürcher­in Else Züblin-Spiller, die für eine bessere Unterkunft und eine ge­sunde (und alkoholfreie) Verpfle­gung der mobilisierten Soldaten zu kämpfen beginnt: der „Schwei­zer Verband Soldatenwohl“.
Sechs Jahre später betreibt die Orga­nisation – umbenannt in „Schweizer Verband Volksdienst“ – eine be­achtliche Zahl von Kantinen und Wohl­fahrtseinrichtungen im ganzen Land: Neben 20 Soldatenstuben und Solda­tenhäusern werden über 20 Betriebs­küchen und Heime für die ArbeiterIn­nen einzelner industrieller Werke so­wie rund 10 Volks­küchen geführt. Zu letzteren gehören bereits 1920 auch der „Studenten­mittags­tisch“ der Universität Zürich und ab 1930 ein Studentenheim mit Mensa an der ETH Zürich.
Einen Eindruck von den Tätigkeiten des Verbands gibt der 1. Jahresbericht des Schweizer Verbandes Volksdienst für das Jahr 1920 (PDF, Auszüge).

Erfolgreiches Geschäftsmodell

Mit seinen Betriebskantinen arbeitet der Schweizer Verband Volksdienst schon früh im Auftragsverhältnis. Dabei bestimmt der Arbeitgeber den Menüpreis und übernimmt im Gegenzug eine Defizitgarantie. Der SV ist aber nicht nur ein gastronomischer Be­trieb, der das Konzept der Selbstbe­dienung populär machte: Seine Ge­schichte trägt in der ersten Hälfte des 20. Jh. wesentlich bei zur Entwick­lung der sozialen Fürsorge sowie der Frauenarbeit, Frauenbildung und Frauenemanzipa­tion in der Schweiz.
Im Laufe der Jahrzehnte wächst das Sozialwerk zu einem Grossunterneh­men. In den 1990er-Jahren findet so­gar eine Expansion ins Ausland statt.
Von der Uni-Mensa über Mahlzeitlösungen in Kinderhorten und Spitälern bis hin zu Hotel­lerie und Event-Catering, der heutige Konzern SV Group be­schäftigt mit seinem breiten Aktivi­tätsspektrum 8'000 Mitarbeitende aus 90 Nationen in 540 Betrieben und setzt jährlich CHF 646 Millionen um.

Katalog-Links

Firmen- und Verbandsdossier SV-Group (Signatur: CH SWA Soz. Inst. 4)

Jakob Tanner, Fabrikmahlzeit: Ernährungswissenschaft, Industriearbeit und Volksernährung in der Schweiz: 1890-1950, Zürich: Chronos, 1999

15.10.2014 / Nicolas Sartori