Ausstellung zum 200. Geburtstag von Ernst Reiter

ERNST REITER 
VIOLINIST, COMPONIST, MUSIK=DIRECTOR

Eine Ausstellung zum 200. Geburtstag von Ernst Reiter (1814-1875)
in der Universitätsbibliothek Basel

12. Dezember 2014 - 28. Februar 2015

Wer war Ernst Reiter? - 1814 in Wertheim/Main geboren, in Kassel bei Louis Spohr (Violine) und Moritz Hauptmann (Theorie) ausgebildet, kommt Ernst Reiter als junger Mann 1836 nach Basel. Hier wirkt er, mit nur kurzen Unterbrechungen, bis zu seinem Tode 1875 als Geiger, Komponist und immer öfter als Dirigent.

Basels Musikleben erlebt in dieser Zeit einen enormen Aufbruch und überschreitet die Grenzen der Hausmusikkultur voriger Jahrhunderte. Ernst Reiter baut musikalische Institutionen wie die Konzertgesellschaft, den Basler Gesangverein und die Basler Liedertafel auf und aus, und er beflügelt sie mit seinen Dirigaten und Kompositionen. Systematisch wird etwa das Werk Johann Sebastian Bachs erkundet, und Chor, Orchester und Continuo gemäss dem damals neuesten internationalen Forschungsstand aufgebaut, bis hin zu den weithin ausstrahlenden Aufführungen der Johannes- und Matthäus-Passion.

Reiter verknüpft auch Basels Musikleben über die Grenzen hinaus: Johannes Brahms als Kammermusiker und Clara Schumann als Solistin, Liedbegleiterin und Kammermusikerin, Hans von Bülow und viele andere Persönlichkeiten sind über kürzere oder längere Zeit gerne gesehene Gäste in Basel, die damalige "Moderne" ist zuverlässig in Musikprogrammen zu vertreten. So findet das Deutsche Requiem von Brahms nur ein Jahr nach seiner Uraufführung unter Reiters Leitung seine vielbeachtete Schweizer Erstaufführung. Ebenso pionierhaft und behutsam bereitet Ernst Reiter das Terrain für Schumanns grosse Chorwerke vor, bis hin zu einer Aufführung der Scenen aus Göthe's Faust.

Die Universitätsbibliothek Basel erinnert mit einer Ausstellung an diesen heute nahezu vergessenen Musikers, der darüber hinaus ein hervorragender Netzwerker war. Davon zeugen nicht allein sein Briefwechsel mit allen damaligen musikalischen Grössen, dem in der Ausstellung breiter Raum gegeben wird, sondern auch seine Tagebücher, die Reiters hellwachen und kritischen Geist verraten. In dem Masse, wie seine Dirigententätigkeit in Basel an Ansehen gewann, trat sein kompositorisches Werk in den Hintergrund. Vergessen sind seine patriotischen Festspielmusiken, wie etwa die zur Schlacht bei St. Jacob, und ebenso vergessen sind seine Lieder und die feinsinnige Kammermusik. Im Rahmen der Ausstellung wird sie in zwei Konzerten mit jungen Musikern neu zu Gehör gebracht werden.

Kuratiert wird die Ausstellung durch Roland Kupper, der aus seinem Basler Privatarchiv einen gewichtigen Anteil beisteuert, und Dieter Zeh, der die Jugend- und Studienjahre Ernst Reiters erforscht hat. Jean-Jacques Dünki ist für die Gesamtkoordination und Programmation der Vernissage verantwortlich.


Vernissage am Freitag 12. Dezember 2014
18.15 Uhr Ausstellungseröffnung in der Universitätsbibliothek Basel
20.00 Uhr Konzert im Wildt'schen Haus mit Kammermusik und Liedern von Ernst Reiter

Führung und Konzert am Montag 15. Dezember 2014
18.15 Uhr Führung in der Ausstellung durch Prof. Jean-Jacques Dünki
19.30 Uhr Konzert im Musikwissenschaftlichen Seminar mit Musik von Ernst Reiter (Lisa Rieder, Violine, Debora Büttner, Mezzosopran, und Jean-Jacques Dünki, Klavier)

Vortrag und Konzert am Montag 26. Januar 2015
20.00 Uhr Chormusik von Reiter, Spohr, Hauptmann in der Musik-Akademie Basel. Leitung: Raphael Immoos / Vortrag von Dieter Zeh: "Ernst Reiter in Cassel"

 

 

03.12.2014 / Jean-Jacques Dünki / cb