Themenabende 2017

In monatlichem Abstand wird ein Sonderbestand der Universitätsbibliothek Basel oder ein bestimmtes Thema herausgegriffen und einem interessierten Publikum näher gebracht. Die Themenabende sind öffentlich und kostenlos.

K* Die UB beleuchtet aktuelle Projekte der Universität und kooperiert mit Museen, Bildungs- und Kulturinstitutionen

Mi 25. Januar: „Theuer erkauft“ – Die Reformation in der Beurteilung Jacob Burckhardts

Dr. Hans Berner (Universitätsbibliothek Basel)

K* Innerhalb der neuen Gesamtausgabe von Jacob Burckhardts Werken (JBW) sind seine Vorlesungsmanuskripte zum 16. Jahrhundert erstmals ediert worden. Sie geben direkte Einblicke in Burckhardts Arbeitsweisen und in die Entwicklung seiner Geschichtsbilder. Reformation und Gegenreformation stehen im Zentrum seiner wiederholt gehaltenen Vorlesungen zum 16. Jahrhundert, die in Zeiten des Kulturkampfs auch von politischer Brisanz waren. Wie Burckhardt in seinen Notizen die Reformation deutete und in welche Zusammenhänge er sie einordnete, sind die Fragestellungen des Themenabends.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. OG)

Mi 22. Februar: Ein Jahrtausend am Nil: Die Basler Papyrussammlung

Prof. Dr. Sabine Huebner (Universität Basel), mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Maarten J.F.M. Hoenen (Vizerektor Lehre & Entwicklung der Universität Basel)

K* Die Universitätsbibliothek Basel ist im Besitz einer kleinen Papyrussammlung von rund 65 Papyri aus ptolemäischer, römischer sowie spätantiker Zeit, die das Zentrum einer Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel bildet. Die Basler Papyrussammlung umfasst einige Papyri von erheblichem internationalem Interesse, wie beispielsweise den ältesten bekannten christlichen Privatbrief, der in die erste Hälfte des 3. Jhs. datiert, sowie Abschriften in Rollen- und Kodexform von Homers Ilias. Zudem befinden sich in der Basler Sammlung die ersten abendländischen Gelehrten bekannt gewordenen Papyri. Letztere stammen vermutlich aus Italien und gehörten seit dem 16. Jahrhundert zum Kunstkabinett des Basilius Amerbach. 300 Jahre bevor die Kunde von Papyrusfunden in Ägypten nach Europa drang und die ersten Papyrussammlungen entstanden, konnte man daher in Basel schon Papyri bewundern. Der Grossteil der Basler Papyri wurde noch nicht veröffentlicht. In einem vom Schweizer Nationalfonds geförderten und von Prof. Huebner geleiteten Projekt werden die Papyri nun ediert und übersetzt. Im Anschluss an den Eröffnungsvortrag besteht die Möglichkeit zu einer Führung durch die Ausstellung.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. OG)

Mi 15. März: Die UB – für alle offen. Eine Abendführung

Dominique Graf, Dr. Lorenz Heiligensetzer (Universitätsbibliothek Basel)

Die UB ist wissenschaftliches Informationszentrum für die Universität und die Region - und zugleich als Kantonsbibliothek "für alle offen". Die erstmals 1471 bezeugte Bibliothek verfügt heute über einen Gesamtbestand von mehr als 3 Millionen Werken, darunter umfangreiche historische Sammlungen von Handschriften, Frühdrucken, Karten und Porträts. Ein Rundgang durch die Publikumsräume, ein Besuch der geschlossenen Magazine sowie die Präsentation wertvoller Werke aus dem Altbestand der UB geben einen Einblick in die älteste Universitätsbibliothek der Schweiz.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Eingangshalle

Mi 5. April: David Ricardos „modernes Buch“ – eine kleine Retrospektive

Prof. Dr. Rolf Weder, Thomas Gerber, MSe, (Universität Basel)

K* Mit dem Buch „Principles of Political Economy and Taxation“ schreibt sich David Ricardo in die Annalen der grossen ökonomischen Denker ein und beeinflusst die damals noch junge wirtschaftswissenschaftliche Lehre massgeblich. Aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums der 1817 in London erschienenen Schrift blicken wir an diesem Themenabend auf Leben und Werk David Ricardos zurück. Der thematische Schwerpunkt liegt auf seinen Überlegungen zum Handel, die unter dem Namen „komparative Vorteile“ bekannt wurden und noch heute der zentrale Ausgangspunkt der modernen Handelstheorie darstellen. Der Originaltext der zweiten Edition aus dem Jahr 1819 und weitere Objekte werden im Rahmen einer kleinen Ausstellung präsentiert.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; Universitätsbibliothek Wirtschaft – Schweizerisches Wirtschaftsarchiv, Foyer, Peter Merian-Weg 6

Mi 17. Mai: Buchvernissage: Lucius Burckhardt – „Landschaftstheoretische Aquarelle und spaziergangswissenschaftliche Aktionen“

Prof. Martin Schmitz (Universität Kassel), Markus Ritter (Präsidialdepartement Basel-Stadt, Stiftungsrat Lucius und Annemarie Burckhardt Stiftung) und Dr. des. Noah Regenass (Universitätsbibliothek Basel)

K* Lucius Burckhardt vermittelte während seiner Lehrtätigkeit Inhalte nicht nur über Texte und  Vorlesungen, sondern bediente sich verschiedenster Medien. Anhand von Theaterstücken, Kunstaktionen, Skulpturen und Fotografien erläuterte Burckhardt seine Theorien, die er in den 1980er-Jahren unter dem Namen Spaziergangswissenschaft sammelte. Eine Vorrangstellung nehmen dabei seine landschaftstheoretischen Aquarelle ein. Sie entstanden als integraler Bestandteil seiner Forschung und sind ein eigenständiger Beitrag zur Frage nach der Sichtbarkeit von Natur, Umwelt und Planungssystemen. Das Buch zeigt eine grosse Auswahl seiner Aquarelle zusammen mit Texten wie den „0 Meter Spaziergang“, „Die Fahrt nach Tahiti“ oder „Das Reisebüro der Villa Medici“. Das Buch erscheint pünktlich zur documenta 14, wo zahlreiche Aquarelle Burckhardts ausgestellt werden.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. OG)

Mi 21. Juni: Bilder des Zeitgeschehens. Pressefotografie und Archive in Afrika

Jürg Schneider, PhD (Zentrum für Afrikastudien, Universität Basel), Rosario Mazuela, MA (African Photography Initiatives)

K* Im relativ kurzen Zeitraum zwischen 1945 und 1955 entstanden in zahlreichen west-, zentral- und ostafrikanischen Kolonien staatliche Presse- und Fotoagenturen. Praktisch alle afrikanischen Staaten führten diese in der Kolonialzeit gegründeten Presseagenturen nach der Unabhängigkeit weiter und integrierten sie in die neugeschaffenen Kommunikations- oder Informationsministerien. Die Ausstellung zeigt die nachhaltigen Auswirkungen des Übergangs von einem kolonialen Informationsdienst zu einer Institution im Dienst der neuen und unabhängigen Nationen sowie des technologischen Wandels von der Schwarzweiss Fotografie zur Farbfotografie und weiter zur Digitalfotografie auf das Archiv auf, jenen Ort und jene Institution, wo Pressefotografien gesammelt, aufbewahrt und geordnet werden und von wo sie in die Öffentlichkeit gelangen. Die Führung stellt die kulturhistorische Bedeutung und das Forschungspotential von Pressefotografien und Pressefotoarchiven in Afrika in den Vordergrund. Sie ist ein Plädoyer für deren Erhaltung, Schutz und Nutzung.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. OG)

Mi 23. August: Stadt.Geschichte.Basel - Geschichte für Gegenwart und Zukunft

Prof. Dr. Regina Wecker (Präsidentin Stiftung Stadt.Geschichte.Basel, Prof. Dr. Martin Lengwiler (Herausgebergremium)

K* Vorstellungen von der Vergangenheit bilden eine wichtige Grundlage zur Deutung der Gegenwart und Gestaltung der Zukunft. In Basel klafft hier eine gravierende Lücke: Eine aktuelle Gesamtdarstellung fehlt. Das Projekt Stadt.Geschichte.Basel will diese Lücke schliessen. Es eröffnet neue Einblicke in die Geschichte Basels und ist ein Kompass für alle, die heute und morgen die Stadt beleben und mitgestalten. Es stösst Diskussionen über das Selbstverständnis Basels im 21. Jahrhundert an und leistet einen Beitrag dazu, dass die vielfältige urbane Bevölkerung an den lokalen Erinnerungskulturen und an der Zukunftsgestaltung teilhaben kann. Der Themenabend beleuchtet die Hintergründe des Projekts und orientiert über den aktuellen Stand der Dinge.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. OG)

Mi 27. September: Bahnbrechende Erfindungen der Schweizer Wirtschaft

Irene Amstutz, lic.phil., Dr. Martin Lüpold (Schweizerisches Wirtschaftsarchiv SWA)

K* Erfindungen sind dann erfolgreich, wenn eine zündende Idee zur Marktreife geführt, gut vertrieben und vom Publikum verstanden wird. Die Schweizerische Wirtschaft verfügt über eine hohe Dichte bahnbrechender Innovationen, die um die Welt gingen. Erfindungen lösen Probleme des Alltags, erzeugen Glücksgefühle, revolutionieren gängige Vorgehensweisen und lassen den Rubel rollen. Wir schauen uns anhand der Bestände im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv einige Beispiele an: von der Alufolie über die Gasturbine zum künstlichen Hüftgelenk, vom Thomy-Senf über den Schmelzkäse bis zu Maggi sowie von Valium zu Voltaren und Anti-Brumm. Und schliesslich geben Archive auch den Blick frei auf Pleiten und Auslaufmodelle, die heute längst vergessen sind.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; Universitätsbibliothek Wirtschaft – Schweizerisches Wirtschaftsarchiv, Foyer, Peter Merian-Weg 6

Mi 18. Oktober: Von Basel nach Bursa und zurück

Prof. Dr. Martina Baleva (Universität Basel)

K* Die Universitätsbibliothek besitzt ein seltenes Fotoalbum aus der spätosmanischen Zeit, das erst jüngst wiederentdeckt wurde. Das prachtvolle Exemplar mit dem Titel „Vues de Brousse“ entstand im berühmten Fotografenstudio Sébah & Joaillier in Konstantinopel um 1890, vermutlich im Auftrag von Sultan Abdülhamid II. Es enthält Fotografien mit Ansichten von Bursa. Die Stadt war seit byzantinischer Zeit einer der weltweit grössten Produzenten von Rohseide. Es ist gerade die Seide, die den Faden der in der Ausstellung gezeigten Verflechtungsgeschichte zwischen Basel als Zentrum der Seidenbandindustrie und der ersten osmanischen Hauptstadt Bursa bildet. Der Themenabend anlässlich der Ausstellung widmet sich Fragen nach den ökonomischen und kulturellen Austauschbeziehungen zwischen beiden Städten rund um die Seidenproduktion und beleuchtet ein vergessenes Kapitel Basler Geschichte. Im Anschluss wird eine Führung durch die Ausstellung angeboten.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. OG)

Mi 8. November: Die russische Revolution 1917 in Briefen und Tagebüchern russischer Schriftsteller

Prof. Dr. Thomas Grob (Universität Basel), Dorothea Trottenberg, M.A. (Universitätsbibliothek Basel)

K* Vor hundert Jahren, am 7. November 1917, übernahmen die Bolschewiki in Russland die Macht und beendeten ein unruhiges Jahr mitten im Ersten Weltkrieg mit einer der grössten politischen Umwälzungen der europäischen Geschichte. Bereits im Frühjahr 1917 hatte die Februarrevolution zur Abdankung des letzten Zaren Nikolaj II. geführt. Doch auch jetzt war die Phase der Unsicherheit, wohin die neuen Verhältnisse führen könnten, noch längst nicht beendet – erst aus späterer Sicht glaubten alle zu wissen, was genau vor sich ging. Auch russische Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Maxim Gorki, Iwan Bunin, Zinaida Gippius und andere hielten damals ihre Eindrücke über die turbulenten Ereignisse fest. Anhand von Tagebüchern, Aufzeichnungen und Briefen russischer Literaten aus dem Revolutionsjahr 1917, die später weitgehend in Vergessenheit gerieten, geht der Themenabend den Ereignissen am Puls ihrer Zeit nach.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. OG)

Mi 13. Dezember: Die Kantonsgeschichte von Peter Ochs-Vischer (1752-1821

Dr. Sara Janner (Universitätsbibliothek Basel)

Peter Ochs-Vischer proklamierte nicht nur am 12. April 1798 in Aarau die Helvetische Republik, er schrieb ab 1786 auch an einer achtbändigen „Geschichte der Stadt und Landschaft Basel“, deren letzter Band 1822 posthum erschien. Das Manuskript sowie Vorarbeiten dazu werden heute in der Handschriftenabteilung der UB Basel aufbewahrt. Ochs reflektiert in diesem Werk nicht nur seine Tätigkeit als Rats- und Stadtschreiber zwischen 1782 und 1798, sondern auch die Ergebnisse der politischen Kämpfe in Basel in der Zeit des Übergangs zwischen Helvetik, Mediation und Restauration. Die erhaltenen Vorarbeiten geben interessante Einblicke in die Arbeitsweise des Historikers Ochs.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. OG)