Themenabende 2013

In monatlichem Abstand wird ein Sonderbestand der Universitätsbibliothek Basel oder ein bestimmtes Thema herausgegriffen und einem interessierten Publikum näher gebracht. Die Themenabende sind öffentlich und kostenlos.

Mi 30. Januar: August Strindbergs Schweizer Jahre

Prof. Dr. Jürg Glauser, Nathalie Christen MA (Universität Basel)

In der Schweiz wird der schwedische Schriftsteller August Strindberg (1849-1912) vor allem für seine Dramen (Ein Traumspiel, Fräulein Julie) geschätzt. Dass der bedeutende Vertreter der klassischen Moderne um 1900 jedoch eine für Werk und Leben bedeutende Zeit in der Schweiz verbracht hat, ist weniger bekannt. Anhand der Schweizer Novellen aus dem Jahr 1885 wird Strindbergs Beziehung zur Schweiz an diesem Themenabend in den Blickpunkt gerückt. Dies im Rahmen der Ausstellung „Strindbergs Utopien in der Wirklichkeit“, die aus Anlass des 100. Todesjahrs bis zum 28. Februar in der UB zu sehen ist.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 13. März: Die Bibliothek des Johannes Heynlin (ca. 1430-1496)

Dr. Beat von Scarpatetti (Historiker und Paläograph)

283 Handschriften und Inkunabeln ausserordentlicher Qualität liegen seit dem 16. Jh. in der UB, verstreut nach Signaturen und Abteilungen. Ihr Besitzer, Johannes Heynlin von Stein (ca. 1430-1496), war als markante Figur des Spätmittelalters den Fachkreisen zwar bekannt, aber seine Bibliothek ist dank Max Burckhardt erst unlängst wieder zusammengeführt und durch den Referenten dieses Abends in Form eines beschreibenden Katalogs erfasst worden. Sie darf als die schönste Privatbibliothek am Oberrhein vor 1500 gelten, als das Werk eines passionierten Scholastikers, Humanisten und Volkspredigers (u.a. am Basler und Berner Münster) an der Schnittstelle von Mittelalter und Renaissance und zwischen Pariser und süddeutscher Denk- und Buchkultur. Diese Position hat einen tieferen Grund in Heynlins Person, über die er selber kein Sterbenswort hat vernehmen lassen. Denn über ihr schwebt ein Geheimnis.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 17. April: Die UB – offen für alle. Eine Abendführung

Nicole Kuster BA, Dr. Lorenz Heiligensetzer (Universitätsbibliothek Basel)

Die UB ist wissenschaftliches Informationszentrum für die Universität und die Region - und zugleich als Kantonsbibliothek "für alle offen". Die erstmals 1471 bezeugte Bibliothek verfügt heute über einen Gesamtbestand von mehr als 3 Millionen Werken, darunter umfangreiche historische Sammlungen von Handschriften, Frühdrucken, Karten und Porträts. Ein Rundgang durch die Publikumsräume, ein Besuch der geschlossenen Magazine sowie die Präsentation wertvoller Werke aus dem Altbestand der UB geben einen Einblick in die älteste Universitätsbibliothek der Schweiz.

Anmeldung erforderlich: ✆ +41 (0)61 267 31 00 oder info-ub at unibas.ch
Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Eingangshalle; bis ca. 19:15 Uhr

Mi 29. Mai: Tief ist der Brunnen der Vergangenheit: Thomas Manns Josefsroman

Bernd M. Kraske, Eva Kraske und Thomas Held (Reinbek/Hamburg)

Thomas Mann hat die Metapher vom „Brunnen der Vergangenheit“ geprägt für seine Roman-Tetralogie „Joseph und seine Brüder“, jenes unauslotbare Riesenwerk, mit dem er gewissermassen auf einen Ruf aus den Urschichten der Menschheitsgeschichte antwortete. Die vier Teilbände „Die Geschichten Jaakobs“, „Der junge Joseph“, Joseph in Ägypten“ und „Joseph der Ernährer“ erschienen zwischen 1933 und 1943, in einer düsteren Zeit des politischen Umbruchs und des Kriegs, der den Repräsentanten der deutschen Kultur ins Exil nach Frankreich, die Schweiz und schliesslich die USA zwang. Der Hamburger Thomas-Mann-Spezialist Bernd M. Kraske, Eva Kraske und Thomas Held werden im Rahmen einer Ausstellungs-Finissage eine Textcollage zum Josephsroman mit Selbstaussagen Thomas Manns sowie Stimmen von Freunden und Zeitgenossen lesen.       
 
Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 26. Juni: Die neue UB Medizin

Christoph Wehrmüller, Heidrun Janka, Dipl. Biol. (Universitätsbibliothek Medizin)

Die Medizinbibliothek der Universität Basel wurde 1976 als eine von zwei fachspezifischen Filialen der UB Basel begründet. Sie ist zugleich ein Lern-, Informations- und Kommunikationszentrum für Studierende der Medizin und verwandter Fächer, für Auszubildende medizinischer Berufe, Ärzte, Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit („offen für alle“). Die Medizinbibliothek sammelt Literatur aus allen Gebieten der Medizin, Pharmazie, Biochemie und der Pflegewissenschaften. Nach über 35 Jahren wird sie im April 2013 ihren Standort vom Zentrum für Lehre und Forschung (ZLF) am Universitätsspital in ein neues, mehrstöckiges Gebäude im Stadtzentrum verlegen. Die neue UB Medizin in der Spiegelgasse wird mit modern ausgestatteten Lern-, Arbeits- und Kommunikationsräumen ausgestattet. Die zentrumsnahe Präsenz der Bibliothek bietet neue Chancen und Potentiale für unsere Nutzerschaft und den Bibliotheksbetrieb. Bei einem Rundgang durch die neuen Räumlichkeiten werden alle Bereiche der Bibliothek und unsere neuen Konzepte vorgestellt.

Treffpunkt: 18:00 Uhr, UB Medizin, Spiegelgasse 5 (Schifflände, vis-à-vis Spiegelhof), Eingangsbereich (Foyer); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 4. September: Finanzkrise und Energiewende bald Geschichte? Wirtschaftsgeschichte digital mit der neuen Online-Zeitungsausschnittsammlung des SWA

Irene Amstutz, lic. phil., Nicolas Sartori, lic. phil. (Schweizerisches Wirtschaftsarchiv SWA)

Zeitungen widerspiegeln das aktuelle Zeitgeschehen und sind unschätzbare Zeugen von wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Ereignissen. Sie dokumentieren Meinungen und Kommentare und halten fest, was die Menschen in ihrer Zeit bewegt. Das SWA sammelt aus diesem Grund seit über 100 Jahren Zeitungsausschnitte zu AkteurInnen und Themen der Schweizer Wirtschaft. Seit Anfang 2013 werden die ausgewählten Artikel nicht mehr in Papier ausgeschnitten und aufbewahrt, sondern in elektronischem Format. Damit wird dieses bedeutende Quellenmaterial für die künftige Forschung einfacher zugänglich und bleibt dabei langfristig gesichert. Wir präsentieren Ihnen das neue Angebot und werfen einen Blick hinter die Kulissen der neuen Sammlung.

Treffpunkt: 18:00 Uhr, UB Wirtschaft - SWA, Foyer, Peter Merian-Weg 6 (Jacob Burckhardt Haus), Basel; bis ca. 19:15 Uhr

Do 19. September: Geographie als Ort für identitätsstiftendes Schreiben – der Rhein in Vadians Kommentar zur Weltbeschreibung des Pomponius Mela (Basel, 1522)

Katharina Suter-Meyer, lic.phil., Universität Basel

Der St. Galler Humanist und spätere Reformator Joachim Vadian (dt. von Watt) beschäftigte sich in seiner Studien- und Dozentenzeit an der Universität Wien intensiv mit Geographie, was in den Gelehrtenkreisen des deutschsprachigen Humanismus weit verbreitet war. Wissen aus antiken Weltbeschreibungen, aber auch die Schriften des Kolumbus und Vespucci wurde gesammelt und diskutiert. Dabei bemühten sich die Humanisten nördlich der Alpen oft darum, die antiken Schilderungen Germaniens zu ergänzen und - gerade im Falle der zahlreichen Berichte über grausame Sitten ihrer barbarischen Vorfahren - zu berichtigen oder zumindest zu entkräften. In seinem Kommentar zur chorographia des Pomponius Mela, der ältesten auf uns gekommenen lateinischen Weltbeschreibung (43 / 44 v. Chr.), begleitet Vadian den antiken Text eng mit seinen Anmerkungen. Immer wieder unterbricht er ihn; häufig nicht nur für sprachliche Hinweise oder passende Zitate, sondern auch für seine persönlichen Beobachtungen und Überlegungen, sowie für aktuelle Beschreibungen von Orten, Flüssen und Landstrichen.
Als Pomponius Mela in seiner Chorographie nur kurz und oberflächlich auf den Rhein zu sprechen kommt, nutzt Vadian die Gelegenheit für einen mehrseitigen Exkurs, in dem er nicht nur den Fluss und den Bodensee würdigt, sondern ein regelrechtes Loblied auf seine Herkunftsregion, das Alpenrheingebiet, und die Eidgenossenschaft anstimmt. Der Kommentar führt die antike Weltbeschreibung so in die Zeit des Humanisten hinüber und färbt sie geradezu patriotisch ein. Der Rhein wird von der Grenze zu den Barbaren zum berühmtesten aller Flüsse und zur Lebensader tüchtiger Völker, berühmter Städte und nennenswerter Gelehrter.

Treffpunkt: 18:15 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:30 Uhr

Mi 25. September: Basler Klosterbibliotheken: Die Kartause

Dr. Ueli Dill (Universitätsbibliothek Basel)

Teile der mittelalterlichen Bibliotheken der zahlreichen Basler Klöster wurden nach der Reformation in die Universitätsbibliothek überführt. Am vollständigsten erhalten ist die Bibliothek der Kartäuser, die als sorgfältige Bibliothekare berühmt waren. Anhand von Bildern sowie Originalhandschriften und -drucken soll die ursprüngliche Bibliothek möglichst plastisch rekonstruiert werden: räumlich, organisatorisch, inhaltlich.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 23. Oktober: 300 Jahre Ars conjectandi

Dr. Fritz Nagel, dipl. math. Martin Mattmüller (Bernoulli-Euler-Zentrum an der Universität Basel)

Im Sommer 1713 erschien in Basel eines jener raren Bücher, die geeignet sind, die Weltsicht einer ganzen Wissenschaft zu verändern. In seiner "Kunst des Mutmassens" (Ars conjectandi) hat der Basler Mathematiker Jacob Bernoulli (1654-1705) aus verstreuten Tipps und Tricks für Glücksspieler eine systematische Theorie der Untersuchung und Berechnung von Wahrscheinlichkeiten entwickelt. Er hat zugleich auch einen der zentralen Sätze auf diesem Gebiet formuliert und bewiesen: das sogenannte "Gesetz der grossen Zahl". Dieser Satz spielt bis heute eine wichtige Rolle in der Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Im Kreis um die Basler Mathematiker wurden auch zahlreiche Anwendungen der neuen Erkenntnisse auf juristische, ökonomische und ethische Fragen ins Auge gefasst. Nicht zuletzt hat Jacob Bernoulli in seiner Ars conjectandi dem heute wissenschaftlich höchst wichtigen und aktiven Fachgebiet der Stochastik den Namen gegeben. Zum 300-jährigen Jubiläum des Erscheinens von Bernoullis Ars conjectandi werden der Autor, sein Werk und dessen schwierige Publikationsgeschichte vorgestellt und in einer kleinen Ausstellung einige Dokumente aus den Beständen der UB besichtigt.
 
Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 6. November: Gedichte als Medizin – das Spätwerk Frank Geerks

Elisabeth Wiederkehr MA (Basel)

Der Themenabend findet im Rahmen einer Ausstellung statt, die der therapeutischen Wirkung von Sprache nachgeht. Anlass zur Ausstellung war u.a. die Beschäftigung mit Frank Geerk (1946-2008), sein Nachlass liegt in der Universitätsbibliothek. «Wortmedizin» und «Von Wunden und Wundern – Handbuch der Zaubersprüche» heissen die späten Lyrikbände dieses Basler Autors. Selbst schwer krank schrieb er Gedichte, die an die reiche Tradition der Zaubersprüche anknüpfen. Der Themenabend gibt Einblicke in die weitgehend unbekannten Texte und bietet eine Führung durch die Ausstellung.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 4. Dezember: Säbelzahntiger, Höhlenhyänen und Riesenwölfe: mimetisches Erzählen und die Erfindung des Monsters als Überlebensstrategie der frühen Menschen

Alice Spinnler, lic. phil. (Universitätsbibliothek Basel)

Hunderttausende von Jahren war der Mensch nicht der Jäger, sondern der Gejagte. Gejagt von Tieren, die grösser als unsere heutigen Raubtiere waren. Gefahr drohte auf dem Lande, aus dem Wasser wie auch aus der Luft. Deshalb erschuf der Mensch das Supermonster, das die Merkmale der gefürchtetsten Raubtiere in sich vereinigte. Anfangs mimetisch, später nach Entwicklung der Sprache auch erzählerisch wurden die häufig fatalen Begegnungen nachgespielt, um das Bewusstsein für die tödlichen Gefahren zu schärfen und mögliche Überlebensstrategien zu verinnerlichen. Heute müssen wir uns nicht mehr vor Raubtieren fürchten; sie sind entweder ausgestorben oder nahezu ausgerottet. Aber diese Urangst steckt immer noch in uns, was an den Reaktionen auf die Einwanderung der Raubtiere Wolf und Bär abzulesen ist. Ebenso haben die Monster überlebt, was ihre Faszination in Literatur und Film beweist.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr