Themenabende 2014

In monatlichem Abstand wird ein Sonderbestand der Universitätsbibliothek Basel oder ein bestimmtes Thema herausgegriffen und einem interessierten Publikum näher gebracht. Die Themenabende sind öffentlich und kostenlos.

Mi 22. Januar: Erbschaftsstreit – Strafrechtspraxis – territoriale Machtkonflikte. Der Amerbach-Nachlass als stadt- und regionalgeschichtliche Quelle

Dr. Hans Berner (Universitätsbibliothek Basel)

Die im Kunstmuseum und im Historischen Museum Basel ausgestellten Bildnisse und Objekte aus der Amerbach'schen Sammlung dürften einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sein - besser vielleicht als der in der Universitätsbibliothek aufbewahrte schriftliche Nachlass der Familie Amerbach. Dabei bilden die Tausende von Briefen, die zahlreichen Rechtsgutachten und thematisch breitgefächerten Schriften aus dem Erbe des Bonifacius und Basilius Amerbach einen einzigartigen Quellenbestand für die regionale Geschichte des 16. Jahrhunderts. Grundlegende Arbeiten wurden schon geleistet mit der Herausgabe der Amerbachkorrespondenz oder den rechtshistorischen Untersuchungen zu den beiden Amerbach als juristischen Beratern. Im Vortrag soll nach den Möglichkeiten der Auswertung dieses Nachlasses für die Erforschung der Stadtgeschichte des 16. Jahrhunderts gefragt werden.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 12. Februar: Spiel-Räume - Warum sind in Basel um 1600 die Psalmen bunter als in der restlichen Schweiz?

Prof. Dr. Matteo Nanni und Ramona Hocker, M.A. (Universität Basel)

Basel, um 1600: Die Wirren um die Reformation haben sich gelegt, es treten Jahre der Stabilität ein. Nun gilt es, den neuen Glauben grundlegend in allen Bevölkerungsschichten zu festigen und zu pflegen. Aber Basel ist auch Grenzstadt, liegt zwischen katholischen und reformierten Gebieten. Hier treffen verschiedene Strömungen aufeinander und verschmelzen zu einem Amalgam eigener Prägung: Reformation sowie Verbreitung der neuen Lehren erfolgen auf eine ganz besondere Weise, wie sie der Rest der Schweiz nicht kennt. An der kulturellen Wegkreuzung Basel sind dadurch die Handlungsspielräume auch im Bereich der Musik grösser als andernorts. Dies macht sich der Münsterorganist Samuel Mareschal zunutze; er trägt wesentlich dazu bei, dass die Reformation im Alltag der Bevölkerung ankommt. Die in der Universitätsbibliothek aufbewahrten Quellen mit Mareschals Bearbeitungen des Genfer Psalters zeugen von seinem ausserordentlichen Engagement als musikalischem Vermittler reformatorischen Gedankenguts im öffentlichen wie privaten Raum. Der Vortrag lädt dazu ein, die Vielgestaltigkeit und den Farbenreichtum des Psalters im "Basler Licht" um 1600 zu entdecken.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 26. März: Bilder und Körper - die Anatomie in Kunst und Wissenschaft

Prof. Dr. Dominique Brancher, Dr. Maike Christadler (Universität Basel)

Ausgehend von den in der Ausstellung "Die Sünde der Wissenschaft. Anatomische Bilder vom 15. bis zum 18. Jahrhundert" gezeigten Bildern vom Körper werden wir in eine Diskussion eintreten, die die komplexen und intimen Beziehungen zwischen der Anatomie und ihren verschiedenartigen Repräsentationen in Kunst und Wissenschaft in unterschiedlichen Formen reflektiert. Die visuelle Kultur der Anatomie der frühen Neuzeit hat sowohl von den neuen technischen Möglichkeiten des Buchdrucks profitiert als auch über diesen eine sozial und intellektuell weite Verbreitung und Zirkulation erreicht. Ein Schwerpunkt unserer Überlegungen wird sich deshalb auf die Beobachtung richten, wie diese visuelle Kultur der Anatomie noch heute unsere Vorstellungen vom Körper inspiriert und eine Auseinandersetzung in der zeitgenössischen Kunst anregt.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 9. April: Die UB – offen für alle. Eine Abendführung

Monika Wechsler und Dr. Lorenz Heiligensetzer (Universitätsbibliothek Basel)

Die UB ist wissenschaftliches Informationszentrum für die Universität und die Region - und zugleich als Kantonsbibliothek "für alle offen". Die erstmals 1471 bezeugte Bibliothek verfügt heute über einen Gesamtbestand von mehr als 3 Millionen Werken, darunter umfangreiche historische Sammlungen von Handschriften, Frühdrucken, Karten und Porträts. Ein Rundgang durch die Publikumsräume, ein Besuch der geschlossenen Magazine sowie die Präsentation wertvoller Werke aus dem Altbestand der UB geben einen Einblick in die älteste Universitätsbibliothek der Schweiz.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Eingangshalle; bis ca. 19:15 Uhr 

Mi 14. Mai: Eine neue Geschichte für eine alte Stadt: das Projekt Stadtgeschichte Basel

Dr. Beatrice Schumacher (Verein Basler Geschichte)

Basel ist eine Stadt von europäischem Rang mit einer ausserordentlich reichen Vergangenheit. Basel ist auch eine Stadt im permanentem Wandel, ein Ort des Austauschs, mit wechselnden Grenzlagen und vielfältigen Beziehungen international und zum regionalen Umland. Was Basel aber fehlt ist eine historische Darstellung, die die vielfältige Geschichte dieser Stadt unter aktuellem Blick neu erzählt und neu erforscht. Der Verein Basler Geschichte lanciert ein Projekt zur Erarbeitung einer neuen Stadtgeschichte. Am Themenabend erhalten Sie Einblick in das Konzept.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr
  

Mi 18. Juni: Zur Humanismus-Frage

Dr. Beat von Scarpatetti (Historiker und Paläograph)

Basel wie auch die UB selbst mit ihren Schätzen gelten als Hort des Humanismus. Begriff und Bewegung (15.-20. Jh.) sind aber mehrdeutig, ihr Gebrauch ist oft sogar vage. Die Humanismus-Frage ist daher periodisch zu stellen. Bisher galt die Trias dreier Humanismen: antik / christlich / modern-aufklärerisch. Die Begriffsinhalte haben dabei gewechselt. Der Humanismus war nie eine Philosophie, eher steht er noch für eine Epoche.Nun kündigt sich mit "Anthropozän" ein neuer Grossepochen-Begriff an. Nach Peter Sloterdijk in seiner Antwort auf Heideggers Humanismus-Brief stellt sich damit die (alte) Inhaltsfrage mit der "Menschwesenheitsfrage" heute radikal neu - auch in Basel und in unserer UB.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 27. August: Der Erste Weltkrieg in der Region Basel

Dr. David Tréfás (Universitätsbibliothek Basel)

Der Erste Weltkrieg gilt als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Auch die Grenzstadt Basel war in mancherlei Hinsicht betroffen. Schwere Kämpfe in der nächsten Umgebung, der Verlust eines Teils des Hinterlandes, die wachsende soziale Not in der Industriestadt, der Kriegsdienst vieler Bewohner in verschiedenen Armeen und die Ströme von Flüchtlingen und Internierten lasteten auf der Stadt. Zudem veränderten sich die Lebenswelten der Bewohner der Region. Es war der Anfang einer desintegrativen Periode in der Geschichte der Region. Eine Führung durch die Ausstellung möchte all dies aufzeigen und dabei auch Einblicke in die Schätze der UB Basel gewähren.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 17. September: Gregor von Nazianz erstrahlt in altem Glanz - Die Restaurierung einer illuminierten griechischen Handschrift aus dem 13. Jahrhundert

Friederike Koschate-Hennig, Restauratorin (Basel), Francesco Carmenati, M.A. und Dr. Ueli Dill (Universitätsbibliothek Basel)

Die Papierhandschrift AN I 8, welche im 15. Jahrhundert nach Basel gelangte, enthält die Predigten des kappadokischen Kirchenvaters Gregor von Nazianz. Geschmückt ist sie mit 16 prächtigen Miniaturen auf Pergament. Sie wurde unter Wahrung der Originalsubstanz minimalinvasiv, jedoch mit hohem Arbeitsaufwand restauriert. Der Einsatz von angepassten Restaurierungstechniken und die Entwicklung einer speziellen Restaurierungswiege, in der das Buch während der Bearbeitung gelagert, nach Bedarf gepresst oder fixiert werden konnte, ermöglichten schonendes Arbeiten. So wurde diese Handschrift, die schwere alte Schimmelschäden, Frassspuren sowie zu erhaltende Altreparaturen aufwies, mit grossem Respekt vor ihrer Geschichte behandelt. Diese Arbeit wird anhand der Dokumentation und am Original vorgestellt.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 22. Oktober: »Ein angenehmer Ort der Musen«: Musik aus dem Hause Amerbach

Dr. Felix Diergarten und Studierende der Schola Cantorum Basiliensis

Die Musiksammlung der Basler Familie Amerbach gehört zu den bedeutendsten musikgeschichtlichen Quellen des 16. Jahrhunderts. Die Musikalien, die Bonifacius Amerbach (1495-1562) und sein Sohn Basilius (1533-1591) hinterlassen haben und die heute in der Handschriftenabteilung der UB Basel aufbewahrt werden, gewähren nicht nur Einblicke in Musikausbildung und Musikpflege eines humanistischen Bürgerhauses der Renaissance- und Reformationszeit, sie zeigen die europäische Musik dieser Epoche in ihrer ganzen Vielfalt. An diesem Themenabend sollen die Musikhandschriften aus dem Hause Amerbach in ihrem musikhistorischen Kontext dargestellt und mit Stimmen und Instrumenten zum Klingen gebracht werden.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 19. November: Kaufmännische Aufschreibetechniken und Datenträger von 1750 bis 2014

Irene Amstutz, lic.phil., Dr. Martin Lüpold (Schweizerisches Wirtschaftsarchiv SWA)

Textverarbeitungsprogramme, Tabellenkalkulation, Datenbanken, E-Mail, elektronische Agenden - ohne diese Arbeitsinstrumente ist die Arbeitswelt heute nicht mehr vorstellbar. Doch wie funktionierte Bürokommunikation in der Vergangenheit? Zum Beispiel mit der Füllfeder und der Hermes Baby, dem Rechenschieber und dem Diktafon. Wir befragen die Wirtschaftsarchive und präsentieren Aufschreibe- und Weitergabetechniken, Büromaschinen und Datenträger aus 250 Jahren.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; Universitätsbibliothek Wirtschaft - Schweizerisches Wirtschaftsarchiv, Foyer, Peter Merian-Weg 6, Basel; bis ca. 19:15 Uhr

Mi 10. Dezember: Die Musiksammlung des Johann Rudolf Dömmelin in der UB Basel

Marion Fahrenkämper, M.A.(Universität Frankfurt a.M.) und Dr. Ueli Dill (Universitätsbibliothek Basel)

Johann Rudolf Dömmelin (1728-1785) zählt als Orgelinspektor und Direktor des Collegium Musicum zu den einflussreichen Basler Musikern des 18. Jahrhunderts. Eine kleine Sammlung musiktheoretischer Drucke aus seinem Nachlass wird bald nach seinem Tode der öffentlichen Bibliothek Basel übergeben. Der Themenabend erläutert die Rekonstruktion des ursprünglichen Bestandes der Dömmelin'schen Sammlung anhand wiederaufgefundener Dokumente und gibt Einblick in die Geschichte wertvoller Donationen in der Universitätsbibliothek Basel.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr