Themenabende 2015

In monatlichem Abstand wird ein Sonderbestand der Universitätsbibliothek Basel oder ein bestimmtes Thema herausgegriffen und einem interessierten Publikum näher gebracht. Die Themenabende sind öffentlich und kostenlos.

Mi 28. Januar: Die UB – für alle offen. Eine Abendführung

Judith Sandhaas, M.A., Dr. Lorenz Heiligensetzer (Universitätsbibliothek Basel)

Die UB ist wissenschaftliches Informationszentrum für die Universität und die Region - und zugleich als Kantonsbibliothek "für alle offen". Die erstmals 1471 bezeugte Bibliothek verfügt heute über einen Gesamtbestand von mehr als 3 Millionen Werken, darunter umfangreiche historische Sammlungen von Handschriften, Frühdrucken, Karten und Porträts. Ein Rundgang durch die Publikumsräume, ein Besuch der geschlossenen Magazine sowie die Präsentation wertvoller Werke aus dem Altbestand der UB geben einen Einblick in die älteste Universitätsbibliothek der Schweiz.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Eingangshalle; bis ca. 19:15 Uhr
 

Mi 18. Februar: Autografen – Eine Plauderei über das Sammeln von Schriftstücken

Prof. Dr. Martin Steinmann (Binningen)

Autografen werden vor allem seit dem späten 18. Jahrhundert gesammelt, und die UB Basel verwahrt mit der Sammlung von Karl Geigy-Hagenbach eine der ganz grossen, traditionell angelegten Kollektionen. Doch was sind überhaupt Autografen, und was fasziniert die Sammler an ihren Schätzen? Autografen spielen auch in der Überlieferung von handschriftlichen Dokumenten, vor allem von Briefen bedeutender Persönlichkeiten, eine wichtige Rolle. Aber nützen eigentlich die vielen Händler und privaten Sammler mit ihren Aktivitäten der Wissenschaft, oder behindern sie sie eher? Und wie stehen öffentliche Bibliotheken zum Autografensammeln? Einige Beispiele und eigene Erlebnisse des Vortragenden werden den Vortrag abrunden.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 18. März: Emil Himmelsbach - Ein Zwölftöner aus Basel

Adolf Zinsstag (Basel) mit Musikern

Seit kurzem gesellt sich dieser kleine, aber feine Nachlass des Basler Komponisten, Orchestermusikers und Lehrers Emil Himmelsbach (1914-84) zu den über 60 Nachlässen von Komponisten des 20. Jahrhunderts aus unserer Stadt. Himmelsbach betrachtete sich selber nicht primär als Komponist, obwohl er gegen 140 Lieder und Instrumentalkompositionen hinterliess. Seine Werke entstanden neben seiner intensiven Arbeit als Geiger im Kammerorchester Basel, als Bratschist im Sinfonieorchester Basel, als Lehrer an der Musikschule Birsfelden, die er über zwölf Jahre leitete, und seiner Vortragstätigkeit. Nach gründlichen Forschungen sprach er über die grossen Komponisten von Bach und Händel bis hin zu Dvorak und Wagner. Sein Plan, über die neue Wiener Schule zu sprechen, wurde durch seinen allzu frühen Tod durchkreuzt. Kompromisslos, wie er in allen Gebieten war, legen seine Werke - quasi als Anregung für spätere Generationen - Zeugnis dafür ab, dass es vom eigentlichen Impuls Schönbergs und Weberns kein Zurück mehr gibt. Ein kommentiertes Konzert u.a. mit Adolf Zinsstag (Violine und Kommentare), Christian Ginat (Viola) und Lukas Greiner (Cello).

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 15. April: „des Gotslesterns, zutrinckens, spilens vnd anderer lastern halb“ - Basler Mandate und Kirchenordnungen im 16. Jahrhundert

Prof. Dr. Thomas Wilhelmi (Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Universität Heidelberg)

Das frühneuzeitliche Konzept der "guten Policey" regelte weite Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens. Mit Hilfe von Ordnungen und Mandaten reagierte die Obrigkeit auf Entwicklungen, Missstände oder Krisen, stets mit der Absicht, die "gute Ordnung" zu bewahren und das gesellschaftliche Zusammenleben zu regulieren. So gibt es neben den umfangreichen Kirchenordnungen auch Mandate zu sittlichen Normen, die z. B. das Fluchen und Schwören, das Zutrinken, das Glücksspiel betreffen oder das Zelebrieren von Festen regulieren, solche, die sich mit religiösen Fragen befassen, die Sozialfürsorge thematisieren oder das Familienleben sowie die Unzucht oder den Ehebruch behandeln. Im Rahmen eines an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften angesiedelten kleinen Forschungsprojekts wird eine Ausstellung über die im staatskirchlich geprägten Basel vom Rat erlassenen Mandate und die Kirchenordnungen aus der Zeit der Reformation und den Jahrzehnten danach vorbereitet. Sie wird vom 13. März bis 23. Mai im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Basel zu sehen sein und soll am Themenabend gezeigt werden.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1.Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 6. Mai: Po Basilea, ir hagdola' - Basel als Zentrum des jiddischen Buchdrucks im 16. und frühen 17. Jahrhundert

Dr. Clemens P. Sidorko (Schopfheim)

Obwohl es Juden seit 1397 strikt untersagt war, sich in Basel niederzulassen, zählte die Stadt im 16. und frühen 17. Jahrhundert zu den wichtigsten Zentren des jiddischen Buchdrucks. Der Themenabend zeichnet nach, wie es dazu kam und wer die Protagonisten dieses gemeinsamen Stücks Basler und jüdischer Geschichte waren. Die überlieferten Druckwerke werden im Kontext des gesamteuropäischen jiddischen Buchdrucks vorgestellt und das kommerzielle und soziale Umfeld beschrieben, in dem die Bücher entstanden und vermarktet wurden: Die Welt der askenasischen Juden im Zeitalter von Humanismus, Reformation und Renaissance.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 17. Juni: Warlam Schalamow - Erzählen von der Kolyma

Dr. Franziska Thun-Hohenstein (Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin), Prof. Dr. Thomas Grob (Universität Basel)

Die Kolyma ist ein Fluss im Nordosten Sibiriens und gleichzeitig eine riesige, unwirtliche Region Russlands, die in der Stalinzeit unter Einsatz von Zwangsarbeitern und Häftlingen industriell erschlossen wurde. Ab 1929 entstand ein gigantischer Komplex von Bergwerken, Industrieanlagen und Lagern, in dem Millionen Menschen ausgebeutet wurden und oft zu Tode kamen. Der eindrucksvollste literarische Zeuge aus diesem grausamen Reich des Geheimdienstes ist Warlam Schalamow (1907-1982). Seine "Erzählungen aus Kolyma" gehören - wie die Werke von Primo Levi, Jorge Semprún oder Imre Kertész - zur Weltliteratur. Sie verarbeiten die persönliche Lagererfahrung zu allgemeingültigen Bildern und Reflexionen des Zerbrechens von Humanität unter unmenschlichen Verhältnissen und begeben sich dabei an die Grenzen literarischen Erzählens. Ein Themenabend zur Ausstellung in der UB Basel.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 9. September: Die Buxtorf-Torarolle und andere Handschriften und Drucke aus der UB Basel und dem Jüdischen Museum der Schweiz

Dr. Gaby Knoch-Mund (Jüdisches Museum der Schweiz), Anne Dietsche (Universitätsbibliothek Basel)

Die Universitätsbibliothek Basel bewahrt einen wichtigen Bestand an handschriftlichen und gedruckten Quellen in hebräischer Sprache auf. Zu dieser bedeutenden Sammlung gehören auch reformatorische und andere Texte über das Judentum. Das Jüdische Museum der Schweiz zeigt ausgewählte Objekte aus dieser Sammlung sowie weitere spannende Textzeugnisse, darunter reich illustrierte Purimrollen und Hochzeitsverträge, seltene Amulette in Scherenschnittform, den Talmud und Urkunden zur Basler jüdischen Geschichte. In einem ersten gemeinsamen Projekt wurden zwei Torarollen digitalisiert. Im Vortrag wird ein kurzes Panorama dieser einzigartigen Texte skizziert und die Digitalisierung vorgestellt. Anschliessend besteht die Gelegenheit zu einer Besichtigung der Buxtorf-Torarolle und von Handschriften und Drucken im nahe gelegenen Jüdischen Museum der Schweiz.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Basel Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:30 Uhr

Mi 21. Oktober: Die Welt der Thea Sternheim

Dr. Thomas Ehrsam (Zürich), Regula Wyss, lic. phil. (Basel)

Nach langen Jahren in Deutschland, in Belgien, am schweizerischen Bodensee und einem dreissigjährigen Exil in Paris verbrachte Thea Sternheim (1883-1971) ihren Lebensabend in Basel - und immer noch führte die Frau des Dramatikers Carl Sternheim fast täglich ihr Tagebuch, das zu einem der grossen und bedeutenden diaristischen Werk des Jahrhunderts wurde. Es ist das Zeugnis einer aussergewöhnlichen, hellwachen Frau, für die Kunst und Literatur Menschenbildung im klassischen Sinne bedeutete. In ihrem Tagebuch spiegelt sich gleichermassen das innere wie das äussere Leben: Sowohl der Kampf um geistige Orientierung, um Selbständigkeit und Emanzipation aus den Zwängen gesellschaftlicher Konventionen und einer schwierigen Ehe wie auch die Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Literatur, Kunst und Politik (von Annette Kolb und Gottfried Benn bis André Gide und Pablo Picasso) und die mit scharfem Sinn erlittenen politischen Katastrophen und menschlichen Tragödien: ein Panorama Westeuropas der ersten zwei Drittel des 20. Jahrhunderts - nicht nur des deutschen, sondern auch des französischen Sprachraums. Dem Referat schliesst sich eine Führung durch die Ausstellung in der UB an.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr

Mi 18. November: Zur Architektur der Wasserkraft in der Schweiz

Irene Amstutz, lic. phil., Dr. Martin Lüpold (Schweizerisches Wirtschaftsarchiv SWA)

Bis Ende der 1960er Jahre lieferte in der Schweiz die Wasserkraft 90 Prozent der elektrischen Energie. In Tälern wurden teils gigantische Staumauern errichtet und an Flüssen unzählige Wasserkraftwerke gebaut. Kraftwerk-Bauten prägen auch abgelegenste Landschaften der Schweiz. Die Nutzung der Wasserkraft brachte eine eigene, sich wandelnde architektonische Sprache hervor. Ihren Merkmalen gehen wir anhand von Bildern und historischen Dokumenten aus Archiven und Firmendokumentationen des SWA nach.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Wirtschaft - Schweizerisches Wirtschaftsarchiv, Foyer, Peter Merian-Weg 6, Basel; bis ca. 19:15 Uhr

Mi 9. Dezember: „Das tintenklecksende Säkulum“. Funktion und Praxis des Briefes im 18. Jahrhundert am Beispiel der Bernoulli-Briefwechsel

Dr. Fritz Nagel (Bernoulli-Euler-Zentrum an der Universität Basel)

Wenn Karl Moor in Schillers "Räuber" mit der verächtlichen Bezeichnung seines Jahrhunderts als "tintenklecksendes Säkulum" vor allem die kraftlose modische Schriftstellerei anvisiert, so könnte er zugleich die ungeheure Briefproduktion jener Epoche vor Augen gehabt haben. Denn der Brief als Kommunikationsmedium hatte im 18. Jahrhundert einen Aufschwung erfahren, wie vielleicht in keinem Jahrhundert zuvor. Welche Funktion hatte aber damals der Brief ? War er Privatbrief, Geschäftsbrief, Publikationsersatz oder erfüllte er noch weitere Funktionen? Und wie erfolgten zu jener Zeit Abfassung, Versand und Übermittlung eines Briefes an den Adressaten? Dieser Fragen sollen an Hand einiger Beispiele aus den Korrespondenzen der Mathematiker Bernoulli, von denen sich ein grosser Teil in unserer Bibliothek befindet, beantwortet werden.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock); bis ca. 19:15 Uhr