Wirtschaftseliten, Forschungsdaten, die NZZ - und die Rolle des SWA

Netzwerkanalyse "anno dazumal" (aus der Publikation "Pollux der Faustkämpfer von 1945)

Das Schweizer Parlament ist heute faktisch kein Milizparlament mehr, sondern auf dem Weg zum Berufsparlament. So schreibt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) in einem grossen Bericht und blickt wehmütig zurück in die guten alten Zeiten.
Damals sassen viele Wirtschaftsbosse im Parlament. So amtete der Neuenburger Uhrenindustrielle Sydney de Coulon von 1949-1963 als Ständerat und sass während seiner Politikkarriere in 129 Kommissionen.

Eine Datenbank zu den Schweizer Eliten

Inzwischen hat sich der helvetische Filz verändert: Verflechtungen zwischen Unternehmen und Politik sind selten geworden. Die Verflechtungen zwischen Unternehmen haben sich ebenfalls gewandelt. Das alles zeigen die Daten einer Forschergruppe der Universität Lausanne (Obelis).
Ihre Forschungsergebnisse haben sie in mehreren Büchern und Artikeln publiziert.
Ihre Forschungsdaten, sprich die Rohdaten oder "Research Data", sind über die Datenbank Elites Suisses zugänglich. Der NZZ-Artikel basiert auf der Nachnutzung dieser Forschungsdaten.

Quellen aus dem Schweizerischen Wirtschaftsarchiv

Am Anfang des Projekts "Elites Suisses" stand die Kartierung des Netzwerks der Verwaltungsrats-Verflechtungen der Schweizer Unternehmen. Viele Daten zu den Unternehmen, ihren Verwaltungsräten und Direktoren haben die Forscher im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv gesammelt. Die Firmen- und Verbandsdokumentation, die Personendokumentation und weitere SWA-Bestände waren in vielen Fällen eine einzigartige Quelle, um die Namen von Unternehmensleitern zu recherchieren. Archive leisten wichtige Forschungsunterstützung für historische und sozialwissenschaftliche Projekte.

 

 

12.09.2017 / Martin Lüpold