Die aktuelle Archivalie: Briefe aus dem Schützengraben

Zwei Feldpostkarten von Frederic H. Keeling an Stephan Bauer

Vor 100 Jahren wütete der Erste Weltkrieg in Europa. Einen Eindruck vom Leben und Sterben der Soldaten auf den Schlachtfeldern der Westfront geben einige Briefe des englischen Ökonomen Frederic Hillersdon Keeling (1886-1916) an den Basler Wirtschaftsprofessor Stephan Bauer (1865-1934).

Briefwechsel aus einem Professoren-Nachlass

Der Archivbestand von Stephan Bauer, aufbewahrt im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv, birgt manche Überraschung. Briefe aus dem Schützengraben würde man in der Korrespondenz eines Nationalökonomen nicht gerade erwarten.
Der Briefwechsel von Bauer und Keeling aus den Jahren 1914 bis 1916 zeigt die Affinität Keelings zur deutschen Kultur und Wissenschaft - erkennbar etwa an der Verwendung deutscher Wörter wie "Existenzminimum" in den englischsprachigen Briefen.
Der erste erhaltene Brief von Anfang Juli 1914 beschreibt eine Reise Keelings nach Deutschland: Mosel, Eifel oder Trier sind einige der erwähnten Stationen.

Ein Ökonom an der Westfront

Kurz darauf begann der Erste Weltkrieg. Keeling wurde in die britische Armee eingezogen. Zwei Briefe (PDF) zeugen beispielhaft von seinen Erlebnissen. Im einen, maschinengeschriebenen Text schildert er ungefiltert seine Verwundung vom Juli 1915. Im anderen, handgeschriebenen Brief vom Mai 1915 beschreibt er seine Gefühle vor dem Transport an die Front.

Nach der Verwundung kehrte Keeling an die Front zurück und fiel 1916. Auf der letzten Postkarte an Stephan Bauer ist vermerkt: "Died 18.8.1916". Der Adresse nach zu schliessen, befand sich Bauer damals gerade in den Ferien im Wallis.

15.11.2017 / Martin Lüpold