Die aktuelle Archivalie: Von Neuhausen in die Welt

Die Fabrik in Neuhausen 1936 und die europäischen Standorte 1960 (Quelle: SWA H + I Bg 2)

Strom und Aluminium

Die Alusuisse bzw. AIAG wurde 1888 in Neuhausen am Rheinfall gegründet. Neben diesem Stammwerk betrieb die Gesellschaft schon früh Werke in Deutschland, Österreich und im Wallis.

Da die Aluminiumindustrie sehr energieintensiv ist, umfasste die Alusuisse seit ihren Anfängen neben Produktionsbetrieben auch eigene Kraftwerke. Später kamen weitere Kraftwerke, Bergwerke (Bauxit), Tonerdefabriken und Hütten (Elektrolysen) vor allem im Ausland (Frankreich, Italien, Griechenland, später Guinea, Sierra Leone, Norwegen, Island) hinzu.

Riesenprojekte eines Riesenunternehmens

Die bis dahin grösste Auslandsinvestition einer Schweizer Firma stellte das gigantische Gove-Projekt dar: 1971 nahm die Alusuisse im australischen Outback eine Bauxitmine und ein Tonerdewerk in Betrieb. Unter anderem hatte man auch einen Hafen sowie eine Siedlung für mehrere tausend Menschen erstellen müssen. Auch in der Grössenordnung vergleichbar war das Projekt Interalumina in Venezuela um 1979.

Die Alusuisse beschäftigte auf ihrem Höhepunkt weltweit 45‘000 Personen und gehörte zum Kreis der zehn grössten Schweizer Firmen. Sie war ein Motor der industriellen Entwicklung und beeinflusste das Schicksal ganzer Regionen (Wallis, Schaffhausen/Singen).

Von AIAG zu Alusuisse

Die Firmengeschichte lässt sich äusserlich durch die verschiedenen Namensänderungen, die oft mit Fusionen oder Übernahmen verbunden waren, charakterisieren:
Eine Vorgänger-Gesellschaft war die Schweizerische Metallurgische Gesellschaft (1888-1894). Von der Gründung 1888 bis 1962 hiess die Gesellschaft Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft (AIAG).

In den 1960er Jahren fand ein massives Wachstum statt. Von 1963 bis 1988 lautete der Firmenname Schweizerische Aluminium AG, abgekürzt Alusuisse, womit man auch der Internationalisierung Rechnung tragen wollte.

Lonza, algroup, Alcan

1973 wurde die 1897 gegründete Chemiefirma Lonza AG übernommen. In den 1980er Jahren trieben die Folgen einer zu starken Expansion und Diversifikation die Firma nahe an den Abgrund. Die Halbierung der Rohaluminiumproduktion, eine prosperierende Division Chemie und das Vordringen in den Verpackungssektor führten die Alusuisse zurück in die Gewinnzone. 1989 bis 1996 lautete der Firmenname Alusuisse-Lonza Holding AG bzw. A-L, 1997 bis 1999 Alusuisse Lonza Group AG bzw. algroup.

1999 spalteten die Finanzinvestoren Martin Ebner und Christoph Blocher die Chemieperle Lonza von der algroup ab. 2000 verkauften sie die Alusuisse Group, wie sie nun hiess, an die kanadische Alcan; die ehemalige Alusuisse verlor ihre Selbständigkeit. Die Produkte, das Know-how und auch ein Grossteil der Firmen mit ihren Beschäftigten lebten aber fort.
2007 wurde die Alcan, die 2003 auch die französische Péchiney geschluckt hatte, ihrerseits vom Bergbaukonzern Rio Tinto übernommen. In der Schweiz firmiert die ehemalige Alusuisse, nach wie vor eine Gesellschaft des Rio-Tinto-Konzerns, bis heute als Alcan Holdings Switzerland.

Das Konzernarchiv der Alusuisse ist im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv zugänglich.

07.06.2016 / Martin Lüpold