Themenabende 2019

In unsern Themenabenden wird ein Sonderbestand der Universitätsbibliothek Basel, ein aktuelles Forschungs-, Ausstellungs- oder Buchthema herausgegriffen und einem interessierten Publikum näher gebracht.
Die Veranstaltungen sind öffentlich und kostenlos.

Mittwoch 9./16./30. Januar, 6. Februar: Karl Barth – Professor, Prediger, Provokateur

Der 1886 in Basel geborene Karl Barth gilt weltweit als der bedeutendste christliche Theologe des 20. Jahrhunderts. Mit seinem umfangreichen Werk hat er internationale Wirkungen erzielt, die weit über die Grenzen seines Fachs, seiner Kirche und der Schweiz hinausreichen.

Karl Barth war zugleich ein streitbarer Zeitgenosse. Bis zu seinem Tod im Jahre 1968 hat er sich in viele kirchliche und gesellschaftliche Konflikte und Krisen des 20. Jahrhunderts mit theologischen Beiträgen produktiv eingemischt.
Was bewegte ihn? Warum nahm er immer wieder Stellung zu aktuellen Themen? Wie sah sein persönliches Umfeld aus? Welche Ausstrahlung hatte sein Denken?

Die Ausstellung "Karl Barth - Professor, Prediger, Provokateur" macht ein facettenreiches Basler Jahrhundertphänomen durch den Einsatz moderner szenografischer Mittel erfahrbar.

Vier Themenabende begleiten die Ausstellung. An drei Abenden werden aktuelle theologische und literarische Veröffentlichungen zur Person und zum Werk Karl Barths vorgestellt, der vierte Abend berichtet von persönlichen Begegnungen mit Barth und deren Nachwirkung bis heute.

Mittwoch, 9. Januar
Karl Barth - Ein Leben im Widerspruch
Prof. Dr. Christiane Tietz (Zürich)
Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock)

Mittwoch, 16. Januar
Gottes Genosse - Eine Annäherung an Karl Barth;
Zu dritt - Karl Barth, Nelly Barth, Charlotte von Kirschbaum (Roman)

Prof. Dr. Klaas Huizing (Würzburg)
Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock)

Mittwoch, 30. Januar
Alles gut - Warum Karl Barths Theologie ihre beste Zeit noch vor sich hat
Prof. Dr. Ralf Frisch (Nürnberg)
Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock)

Mittwoch, 6. Februar
Erinnerung und Ansporn. Zeitzeugen erzählen von Karl Barth
Impulsreferat von Pfr. Dieter Zellweger (Enkel Barths)
Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock)

Mittwoch 20. März: Die UB – für alle offen. Eine Abendführung

Dominique Graf, Dr. Lorenz Heiligensetzer (Universitätsbibliothek Basel)

Die UB ist wissenschaftliches Informationszentrum für die Universität und die Region - und zugleich als Kantonsbibliothek "für alle offen". Die erstmals 1471 bezeugte Bibliothek verfügt heute über einen Gesamtbestand von mehr als 3 Millionen Werken, darunter umfangreiche historische Sammlungen von Handschriften, Frühdrucken, Karten und Porträts. Ein Rundgang durch die Publikumsräume, ein Besuch der geschlossenen Magazine sowie die Präsentation wertvoller Werke aus dem Altbestand der UB geben einen Einblick in die älteste Universitätsbibliothek der Schweiz.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Eingangshalle

Mittwoch 10. April: Prediger und Predigten des Basler Münsters

Prof. Dr. Ueli Zahnd (Universität Basel/Genf) mit Studierenden der Universität Basel

Seit 1000 Jahren wird auf dem Münsterhügel gepredigt: Von hochmittelalterlichen Kreuzzugsaufrufen über reformatorische Programm-Traktate bis hin zu modernen Sonntagspredigten umfasst dieses Predigtwirken eine enorme Vielfalt, und ein bedeutender Teil davon liegt in Handschriften und Drucken auf der Basler Universitätsbibliothek. Anlässlich des Münsterjubiläums präsentiert die UB eine Auswahl aus dieser Sammlung in einer Wechselausstellung im Münster, welche Studierende der Theologischen Fakultät im Rahmen eines Seminars vorbereitet haben. Am Themenabend werden kurz vor Eröffnung der Ausstellung einige besonders spannende Prediger und Predigten vorgestellt, so etwa einer der grossen Prediger des Basler Konzils, Heinrich Kaltisen, oder einer der ersten Inhaber der Münsterprädikatur, Johannes Heynlin von Stein.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock)


Mittwoch 15. Mai: Kulturen im Kontakt. 10 Jahre Basler Ausgrabungen in Francavilla Marittima, Kalabrien

Prof. Dr. Martin A. Guggisberg (Universität Basel)

Seit 2009 gräbt der Fachbereich Klassische Archäologie der Universität Basel in der eisenzeitlichen Macchiabate-Nekropole von Francavilla Marittima in Kalabrien. In dem Gräberfeld finden sich einerseits die an Schmuck und Waffen reichen, oinotrischen Bestattungen aus dem 8. Jahrhundert v.Chr. und andererseits solche aus dem 7.-6.Jh. v.Chr., die den verstärkten Kontakt mit der nahegelegenen, griechischen Kolonie Sybaris aufzeigen. Insbesondere der Kontakt zwischen Oinotriern und Griechen und deren unterschiedliche Identitäten sind zentrale Forschungsfragen, mit welchen sich das Projekt befasst. Zum 10-jährigen Jubiläum der Lehrgrabung wurde mit Studierenden eine Ausstellung unter dem Titel Kulturen im Kontakt. 10 Jahre Basler Ausgrabungen in Francavilla Marittima, Kalabrien vorbereitet, welche die verschiedenen Aspekte des Forschungsprojektes vermitteln möchte. Der Themenabend umfasst einen kurzen Überblick zu den Grabungen und bietet eine Einführung in die Ausstellung.

Treffpunkt: 18:15 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. Stock)

Mittwoch 26. Juni: Quomodo factum est? Wie wurde das gemacht? - Römisches Handwerk im archäologischen Experiment

Prof. Dr. Peter A. Schwarz, lic. phil. Christoph Schneider und Studierende der Universität Basel

Die römischen Handwerker haben uns eine Fülle von Gegenständen hinterlassen, die von ihren künstlerischen und technischen Fähigkeiten zeugen. Leider wissen wir nur wenig über die Herstellung der Objekte, da die antiken Schriftquellen dazu meist schweigen. Der Basler Mechaniker und Gewerbeschullehrer Alfred Mutz (1903-1990) beobachtete die Herstellungsspuren an Fundobjekten und konnte so auf die Machart und die verwendeten Werkzeuge zurückschliessen. Als Beweis für die Richtigkeit seiner Ideen fertigte er Nachbildungen an, die noch heute v.a. im Römerhaus von Augusta Raurica zu sehen sind. Ausgehend vom Nachlass von Alfred Mutz, der sich in der Universitätsbibliothek befindet, widmet sich die Ausstellung der Herstellung von römischen Alltagsgegenständen aus Bein, Holz und Metallen, die v.a. aus Augusta Raurica und Vindonissa stammen. Am Themenabend wird mit praktischen Experimenten im Rahmen einer Führung durch die Ausstellung ein Einblick in das römische Handwerk gegeben.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Ausstellungsraum (1. Stock)

Dienstag 27. August: «Mich freut der Donner, der Euch schreckt – Wir sind nur die Vorboten». Philipp Reiter, ein vergessener Zeitzeuge der Badischen Revolution 1848/49

Dieter Zeh, Schul- und Kirchenmusiker, Grenzach-Wyhlen (D)

Philipp Reiter war 1849 Kriegskommissar in der badischen Revolutionsarmee und übernahm in der Festung Rastatt die wichtige Funktion eines Proviantmeisters. Wie viele Revolutionäre nach der Kapitulation Rastatts in den Kasematten eingesperrt, wurde er im Oktober 1849 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Schul- und Kirchenmusiker Dieter Zeh stiess bei seinen Forschungen zum Komponisten Ernst Reiter in der UB Basel auf über siebzig Briefe von und an dessen jüngeren Bruder Philipp. Die bisher unveröffentlichte Korrespondenz und Gerichtsakten zeichnen das facettenreiche Portrait einer bisher wenig beachteten Persönlichkeit der Badischen Revolution.

Abbildung: Gefangene Revolutionäre in den Rastatter Kasematten. Reiter sitzt lesend im Hintergrund (Nr. 2).

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. Stock)


Freitag 6. September: Finissage der Ausstellung „QUO MODO FACTUM EST? Wie wurde es gemacht? - Römisches Handwerk im archäologischen Experiment“

Dr. Alex R. Furger, lic.phil. Christoph Schneider und Prof. Dr. Peter A. Schwarz, Universität Basel

Im Rahmen der seit Juni 2019 laufenden Ausstellung entstanden auch zwei Publikationen zum römischen Handwerk, die an diesem Themenabend erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das von der Vereinigung Experimentelle Archäologie Schweiz herausgegebene "EAS Sonderheft 1/2019" beinhaltet Kurztexte zum römischen Handwerk und zu verschiedenen Exponaten sowie eine Bibliographie der von Dr. h.c. Alfred Mutz verfassten Werke zur antiken Technologie und Technikgeschichte. Der von Alex R. Furger verfasste zweite Band der Reihe "Beiträge zur Technikgeschichte" | "Studies in the History of Technology" erscheint ebenfalls bei LIBRUM P&E und ist der antiken Stahlerzeugung gewidmet. Der Autor konnte u.a. auch mit Hilfe der "Experimentellen Archäologie" nachweisen, dass in Augusta Raurica nicht nur Eisen verarbeitet, sondern auch Stahl hergestellt wurde.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. Stock)

Mittwoch 18. September: Venice Scholar Index: a Distributed, Collaborative Citation Index for the Humanities

Dr. Matteo Romanello, Digital Humanities Lab, EPFL Lausanne

Wissenschaftler haben oft ein Auge auf dem Citation Index ihrer Artikel. Dieser zeigt nämlich an, wie oft ein Artikel in anderen Artikeln zitiert wurde und ist somit ein Erfolgsfaktor für die wissenschaftliche Karriere. Wie begehrt oder wie oft zitiert werden aber Quellen aus dem Archiv? Dies ist eine überaus spannende Frage, nicht zuletzt aus wissenschaftshistorischer Sicht. Wurden immer nur dieselben Quellen rezipiert? Oder gibt es Bestände, die über eine gewisse Zeit bearbeitet werden und wieder in Vergessenheit geraten?

Dem Forschungsteam am DHLab der EPFL Lausanne ist es gelungen, aus der massenweise digitalisierten Sekundärliteratur einen Citation Index für das Archiv der Stadt Venedig aufzubauen. Matteo Romanello wird uns in dieses spannende Experiment einführen und zeigen, wie dieser Citation Index aufgebaut wurde und welche Erkenntnisse man aus ihm gewinnen kann. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek Vortragssaal (1. Stock)


Mittwoch 9. Oktober: Fuldaer Handschriften in der Schweiz - Spuren der berühmten Klosterbibliothek und ihre erfolgreiche Erschliessung und Digitalisierung in e-codices

Dr. Johannes Staub, Institut Bibliotheca Fuldensis, Fulda (D)

Nachdem die alte und berühmte Bibliothek des Klosters Fulda im Dreissigjährigen Krieg verschollen war, stiess man erst Mitte des 19. Jahrhunderts auf ihre Spuren. Einen wichtigen Schritt für die Erforschung der Fuldaer Bibliotheks- und Schriftgeschichte stellte in der Zeit um 1900 die Entdeckung einer ganzen Reihe Fuldaer Codices in der UB Basel dar. Im 20. Jahrhundert konnten weitere Fuldaer Handschriften und Handschriftenfragmente in der Schweiz nachgewiesen werden. Die Digitalisierung und Erschliessung aller Fuldensien in der Schweiz bei e-codices in dem Projekt Codices Fuldenses Helvetiae ist Anlass, über den aktuellen Forschungsstand sowie über interessante neue Erkenntnisse zu referieren.

Treffpunkt: 18:00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock)



Mittwoch 6. November: Blick auf den Orient. Vom Orientalischen Seminar zum Seminar für Nahoststudien der Universität Basel, 1919-2019

Prof. Dr. Renate Würsch und lic. phil. Claudia Bolliger (Universität Basel)

Dieses Jahr feiert das Seminar für Nahoststudien, das 1919 als Orientalisches Seminar gegründet wurde, seinen 100. Geburtstag. Die Ausstellung dokumentiert die 100jährige Geschichte des Seminars anhand der Biografien der Professoren und ihrer Forschung, wobei auch die Vorgeschichte des Seminars vorgestellt wird. Sie thematisiert zudem den Wandel in der Lehre anhand des Arabischunterrichts und geht auf die Orientalismus-Debatte ein, die das Selbstverständnis des Faches veränderte. Als Einstieg in die Ausstellung dient eine Digischau mit Orientfotografien des 19. Jahrhunderts aus dem Nachlass von Rudolf Tschudi. Präsentiert werden auch Handschriften und Archivmaterial aus den Professorennachlässen sowie Hördokumente. Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation unter dem gleichen Titel erschienen. Der Themenabend beginnt mit einer kurzen Einführung, danach folgt eine Begehung der Ausstellung.

Treffpunkt 18.00 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock)

Dienstag 26. November: Übersetzen lernen. Zur Übersetzerausbildung in der Schweiz

Vom Übersetzen. Basler Gespräche VIII

Ein Gespräch mit Irene Weber Henking und Camille Luscher, Universität Lausanne

Übersetzungen sind allgegenwärtig: Ohne sie bliebe uns vieles unverständlich oder gar verschlossen. Im Alltag, im Berufsleben, aber auch in der Literatur sind wir darauf angewiesen. Doch wie lernt man das Übersetzen literarischer Texte? Manchen mag es reichen, sich autodidaktisch die nötige Erfahrung zu erarbeiten. Aber gibt es auch entsprechende Studiengänge an den Hochschulen? Wo und wie kann man in der Schweiz literarische Übersetzung studieren? Wie sieht diese Ausbildung aus und welche Fähigkeiten und Kenntnisse werden vorausgesetzt? Und wie kommt man vom Masterdiplom zum ersten Übersetzungsauftrag? Über diese und andere Fragen unterhalten sich Martin Zingg und Marco Kunz mit Irene Weber Henking (linkes Bild) und Camille Luscher (rechtes Bild) vom Centre de traduction littéraire der Universität Lausanne.

Treffpunkt: 18:30 Uhr; UB Hauptbibliothek, Vortragssaal (1. Stock)