Michael Wenssler (ca. 1445-1512?)

(Auch: Wensel)

Biographie: Aus Strassburg gebürtig. Immatrikulierte sich am 1.5.1462 an der Universität Basel; begann vermutlich 1472 (evtl. schon 1471) mit Drucken u. erhielt am 8.6.1473 das Bürgerrecht. Zunächst bei den Hausgenossen, ab 22.8.1474 zu Safran u. schliesslich ab 24.3.1476 zum Schlüssel zünftig. Wohnte ab 1475 vor dem inneren Aeschentor, dann bis 1480 im Haus "zum Mulboum" (Maulbeerbaum), an der Bäumleingasse. Kaufte 1479 (Geldner: 1474) mit seiner Frau Margarete den Hof der Familie Zu Rhein, das Haus zum Lufft (Ecke Luftgässlein/Bäumleingasse), wo er seine Werkstatt einrichtete (Nagel). 1487 schliesslich in der St. Albanvorstadt nachweisbar. Druckte am Anfang gelegentlich u. für kurze Zeit zusammen mit Friedrich Biel u. arbeitete später auch mit Berthold Ruppel sowie Bernhard Richel bzw. mit beiden zusammen. Lt. Geldner stellte W. auch Auftragsdrucke in unbekannter Anzahl für Peter Drach (Speyer) und Jacob Steinacher (Basel) her. Einer der bedeutendsten frühen Basler Buchdrucker (beschäftigte zeitweise bis zu 30 Angestellte; über 150 Drucke, v.a. theol. und kanonist., ab 1480 auch liturg. Werke für dt. und engl. Diözesen, u.a. Köln, Mainz, Trier, Salisbury). Zunächst auch wirtschaftlich erfolgreich; häufte jedoch in den achtziger Jahren Schulden an und musste 1490 seine Druckereinrichtung an seinen Gläubiger Jacob Steinacher (genannt Allgouwer) verkaufen. Nach dem Konkurs, bei dem er auch sein Haus verlor, flüchtete er im Mai 1491 nach Frankreich u. liess seine Familie in Basel zurück (Anmerkung: Offenbar sind aber 1491 noch Drucke unter Wensslers Namen in Basel erschienen.); wirkte anschliessend in Cluny (1492/93), Mâcon (1494) und in Lyon (ab 1494). Erhielt am 20.3.1499 freies Geleit vom Basler Rat, um sich mit seinen Gläubigern u. Widersachern auseinanderzusetzen; mit welchem Resultat ist jedoch unbekannt. Seine Witwe bemühte sich 1512 in Lyon um seine Erbschaft; er dürfte also dort gestorben sein.

Wirkungszeit: ca. 1472-1491

Standort(e) der Offizin: Haus zum Lufft, Bäumleingasse 18

Druckermarke(n):

Nr. 1
Druckermarke
Nr. 2
Druckermarke
Nr. 3
Druckermarke

Motto: -

Vorgänger: -

Nachfolger: -

Kooperationen: 1472 (u. evtl. auch 1474) mit Friedrich Biel, ca. 1475/1476 u. 1479 mit Bernhard Richel, ca. 1477/1479 mit Berthold Ruppel, 1477 mit Ruppel u. Richel, 1487 mit Andreas Helmut, 1488 mit Jacob von Kilchen u. 1490 mit Jakob Steinacher sowie 1484 mit dem Drucker des Palude u. dem Drucker der Vitas patrum (Strassburg).

Programmschwerpunkte: Theol. u. kirchenrechtliche Standardwerke, später auch liturg. Werke.


Literatur:
• Geldner, 1968, S. 113ff.
• Heitz/Bernoulli, 1895, S. XIII u. 2f.
• HLS (02/10/2013)
• Koegler, 1909, S. 253ff.
• Koelner, Safranzunft, S. 422
• LGB, Bd. VIII, S. 234
• Nagel, Anne. - Bäumleingasse 18 / Luftgässlein 2/4 (alte Nr. 1200) - Zum Luft. Abschnitt "Auf Burg
   - Die Rittergasse und ihre Umgebung". In: Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt ; Bd. 7
   (2006), S. 233, Sp. 1 
• Scholderer, Victor. - Michael Wenssler and his Press at Basel. In: The Library ; III, 3 (1912), S.
   283-321, und in: Fifty Essays in Fifteenth- and Sixteenth-Century Bibliography ; 1966, S. 46-60