Bata - ein Schuhkonzern sorgte für Diskussionen

Anne Sudrow und Tobias Ehrenbold am Vortragsabend des SWA über den Schuhkonzern Bata am 24.10.2012

Dass Wirtschaftsgeschichte interessante Diskussionen hervorrufen kann, das war am 24. Oktober 2012 im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv zu erleben. Anlässlich eines Vortragsabends zum Schuhkonzern Bata wurde deutlich, dass Geschichte immer aus verschiedenen Perspektiven geschrieben werden kann: Geschichte kennt viele Facetten und viele Geschichten.

"Europas liebster Feind"

In ihrem Vortrag mit dem Titel "Europas liebster Feind" beleuchtete die deutsche Zeithistorikerin Anne Sudrow die Internationalisierung des tschechischen Schuhkonzerns in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vor allem an den ausländischen Standorten stiess das Produktionssystem von Bata auch auf Widerspruch, so Sudrow. Billige Schuhe am Fliessband zu produzieren, das fanden gewerkschaftliche Organisationen keine gute Idee. Zu den lautstarken Bata-Kritikern zählten auch die etablierten Schuhkonzerne.

Die Mitarbeiter im Zentrum

In der Schweiz hat Bata um 1930 eine Fabrik in Möhlin eröffnet und eine Siedlung für die Mitarbeiter gebaut. Gemäss dem Historiker Tobias Ehrenbold, Autor eines Buchs über Bata, stemmte sich vor allem der Schuhkonzern Bally mit allen politischen und medialen Mitteln gegen den neuen Konkurrenten.

In der anschliessenden Diskussion wurde auf die positiven Seiten Batas hingewiesen, vor allem auf das gute Verhältnis zu den Mitarbeitern: In Tschechien ebenso wie in der Schweiz habe sich die Firma fürsorglich um ihre Mitarbeitenden gekümmert, und Leben und Arbeiten seien in einem engen und durchaus positiven Zusammenhang gestanden.

05.11.2012 / Martin Lüpold