Die aktuelle Archivalie: "Fortune" als Spiegel der Zeit

Zeitungen und Zeitschriften erzählen viel über die Zeit, in der sie entstanden sind. Das Wirtschaftsmagazin "Fortune" erschien erstmals 1930 in New York. Als Schwester des Magazins «Time» richtete es sich an eine reiche und einflussreiche Leserschaft.
Das Magazin ist in mehrfacher Hinsicht ein Spiegel seiner Zeit, wie einige Beispiele (PDF) zeigen.

Trendthemen

Die Artikel behandeln die grossen Themen der Zeit. Um 1970 waren das z.B. die Atomenergie, der Vietnamkrieg, die Umwelt, die Freizeitgesellschaft. Themensetzungen, mit denen das Magazin einerseits Weitsicht bewies. Wer die Artikel liest, wird andererseits merken, dass gewisse Probleme (etwa die Asbestproblematik) aus heutiger Sicht ein wenig komplexer und schwerer zu lösen sind, als damals angenommen wurde.

Die Wirtschaft vermessen

Das Magazin machte es sich zur Aufgabe, einen Überblick über die Wirtschaft zu geben. Ein Instrument bis heute sind die Rankings der 500 grössten Unternehmen, die es ab 1955 gibt.
Ausserdem hat das US-Magazin schon immer regelmässig über die Wirtschaft anderer Länder und Kontinente berichtet, etwa Japan, Afrika, Europa.

Werbung für Unternehmer

Die Werbungen in den Heften verraten viel über den Zeitgeist, z.B. über die wachstumsfrohen 1960er Jahre. Erstens besteht gefühlt die Hälfte des Magazins aus ganzseitigen Anzeigen, die eine zentrale Einnahmenquelle für den Verlag waren.
Zweitens kombinieren die Werbungen grosse Bilder mit ziemlich langen Texten. Es geht darum, die Relevanz des inserierenden Unternehmens und seiner Produkte und Dienstleistungen zu erklären.
Drittens richten sich die Werbungen nicht an Privatkunden, sondern an Unternehmer, die einen neuen Bagger, einen neuen Lieferanten, ein neues Computersystem oder ein neues Geschäftsflugzeug brauchen.

Katalog-Link

21.03.2019 / Martin Lüpold