Die aktuelle Archivalie: Kernkraftwerk Mühleberg

Am 20. Dezember 2019 erfolgte die «endgültige Einstellung des Leistungsbetriebs» im Kernkraftwerk Mühleberg.
Erstmals wurde damit in der Schweiz ein kommerziell betriebenes Atomkraftwerk abgeschaltet. Mühleberg gehört den Bernischen Kraftwerke (BKW).

Seit 47 Jahren in Betrieb

Das Kraftwerk war seit 1972 in Betrieb, also seit 47 Jahren. Es war nach Druckwasserreaktoren Beznau I und II das dritte Schweizer Kernkraftwerk.
Die BKW betrieben bis dahin Wasserkraftwerke und machten nun den Schritt von der hydraulischen zur thermischen Energieerzeugung.

Mühleberg ist ein Siedewasser-Reaktor. Gebaut wurde das Kraftwerk von den Firmen BBC (heute ABB) und General Electrics.
Der Baubeginn erfolgte am 1. April 1967. Im Frühjahr 1971 wurde das Kraftwerk mit Brennstoff bestückt. Wenig später fand die erste Atomreaktion statt.
Im Maschinenhaus kam es am 28. Juli 1971 zu einem Brand. Dies verzögerte die Inbetriebnahme.

Welche Alternativen zu Mühleberg?

Parallel zum Bau von Mühleberg plante die BKW ein weiteres Kernkraftwerk in der Gemeinde Graben BE. Dieses wurde aber nie realisiert.
Stattdessen schloss die BKW Stromabnahmeverträge mit Frankreich ab. Unter anderem wurde Strom aus Fessenheim am Rhein übernommen.

Gedanken über alternative Wege der Strombeschaffung machte sich die BKW schon in den 1996, als sich das Ende der befristeten Betriebsbewilligung (2002) abzeichnete.

Das Kernkraftwerk Mühleberg war von Beginn an umstritten. Die besondere Art der Konstruktion – die von unten einzuschiessenden Steuerstäbe, das speziell gebaute Containment und Risse an kritischen Anlageteilen sorgten für viel Kritik.

Das Kraftwerk wird nun in einem langen Prozess rückgebaut. Pläne für ein Ersatz-Kernkraftwerk am selben Standort sind gescheitert.

Quellen aus dem Archiv

Das Kernkraftwerk Mühleberg ist keine eigenständige Aktiengesellschaft, sondern eine Anlage der BKW AG. Quellen zum Kernkraftwerk finden sich im Firmendossier BKW des Schweizerischen Wirtschaftsarchivs (SWA).

13.01.2020 / Martin Lüpold